Politik : Papst: Gerecht muss der Staat sein

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Berlin/Rom - Benedikt XVI. hat den Einsatz für Gerechtigkeit und für ein menschenwürdiges Leben aller als Kernaufgabe der Kirche bezeichnet. In seiner ersten am Mittwoch veröffentlichten Enzyklika mit dem Titel „Deus caritas est“ erklärte der Papst die gerechte Ordnung der Gesellschaft und des Staates zur „zentralen Aufgabe der Politik“. Ein Staat, der nicht durch Gerechtigkeit definiert sei, „wäre nur eine große Räuberbande“.

Die Kirche könne und dürfe den politischen Kampf allerdings nicht an sich reißen, um eine möglichst gerechte Gesellschaft zu verwirklichen. Sie habe stattdessen die Pflicht, durch ethische Bildung die seelischen Kräfte zu wecken, „ohne die Gerechtigkeit, die immer auch Verzichte verlangt, sich nicht durchsetzen und nicht gedeihen kann.“ An die Mitarbeiter kirchlicher Hilfswerke appellierte Benedikt XVI. in seinem Lehrschreiben, „durch ihr Tun wie durch ihr Reden, ihr Schweigen, ihr Beispiel glaubwürdige Zeugen Christi“ zu werden. Entscheidend sei das persönliche, innere Teilnehmen an der Not und am Leid des anderen.

Die Enzyklika fand in Deutschland viel Zustimmung. Bischöfe, Theologen und Vertreter kirchlicher Organisationen werteten den Text als Ermutigung für soziales Engagement und den Einsatz für Gerechtigkeit. Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann sprach von einem „theologisch und sozial tief angelegten Impuls“. Der Tübinger Theologe Hans Küng lobte den Text als „respektabel und differenziert“. M.G.

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