Papst-Rede : Großscheich wirft Benedikt "Unkenntnis" vor

Der im sunnitischen Islam als oberste religiöse Autorität anerkannte Großscheich der Al-Ashar-Universität in Kairo hat Papst Benedikt XVI. "Unkenntnis des Islam" vorgeworfen.

Kairo/Kuala Lumpur/Riad - Mit seinen Äußerungen über das Verhältnis von Gewalt und islamischer Religion habe der Papst "den Zorn von mehr als 1,3 Milliarden Moslems in der ganzen Welt geweckt", heißt es in einer Erklärung von Großscheich Mohammed Sajjed Tantawi, die über die ägyptische Nachrichtenagentur MENA verbreitet wurde. Er selbst sei "entrüstet" über Benedikts Äußerungen, schrieb der renommierte Religionsgelehrte. Dem "Dialog der Religionen und Zivilisationen" habe der Papst keinen guten Dienst erwiesen.

Nach Angaben der ägyptischen Zeitung "Al Ahram" berief Tantawi an der Al-Ashar-Universität eine Dringlichkeitssitzung des Rats für islamische Studien ein, bei der eine Erwiderung auf die Äußerungen des Papsts verfasst werden soll. Die Al-Ashar-Universität gilt den Sunniten als oberste Instanz für religiöse und rechtliche Fragen. Der seit zehn Jahren als Großscheich der Hochschule amtierende Tantawi hat sich als moderater Islamgelehrter und Befürworter des Dialogs mit anderen Religionen profiliert.

Malaysias Regierungschef: Papst sät Zwietracht

Die Regierungen mehrerer moslemischer Länder fordern eine persönliche Entschuldigung. Der Papst müsse seine Äußerungen zurücknehmen und sich entschuldigen, sagte der malaysische Ministerpräsident Abdullah Badawi nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Bernama. "Der Papst darf das Ausmaß der Empörung, die er verursacht hat, nicht unterschätzen." Die "volle Verantwortung" für die Lage liege beim Vatikan. Badawi warf dem Papst vor, mit seinen Äußerungen "die Saat der Zwietracht" gesät zu haben, "was dem Dialog der Religionen nicht förderlich ist".

Auch die sechs im Golf-Kooperationsrat (GCC) vertretenen Öl-Monarchien am Persischen Golf forderten eine Entschuldigung des Papstes. Vom Papst werde nun eine "klare und offene Entschuldigung" erwartet "für die schädlichen Irreführungen in seiner Rede und für seinen Angriff auf den Islam und dessen Propheten", hieß es in einer Erklärung, die der Rat am Freitagabend in Riad vorlegte. "Eine bloße Klarstellung reicht nicht aus", heißt es in dem Text. Benedikts Äußerungen förderten "den religiösen Fanatismus und die Feindseligkeit zwischen den Religionen". Dem GCC gehören neben Saudi-Arabien auch Kuwait, Bahrain, Katar, Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate an. (tso/AFP)

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