Papst-Rücktritt : Kardinal Meisner hat wenig Verständnis für Benedikts Entscheidung

Der Kölner Kardinal Meisner hat wenig Verständnis für den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. Er hielt die Ankündigung zunächst für einen Karnevalsscherz und zeigt sich "regelrecht schockiert".

von und Rom[R. Birnbaum],J. Schäuble[Berlin]
Stellvertreter Gottes a.D.
Stellvertreter Gottes a.D.Foto: dpa

Wenig Verständnis für den Rücktritt von Papst Benedikt XVI. hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner gezeigt. „Ich bin regelrecht schockiert“, sagte Meisner dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, der zugab, dass er die Ankündigung „erst für einen Rosenmontagsscherz“ gehalten habe. „Das geistliche Amt ist ja eine Art Vaterschaft. Und Vater bleibt man doch Zeit seines Lebens“, begründete Kardinal Meisner sein Unverständnis.

Als eine Altersgrenze für Bischöfe und Priester eingeführt wurde, habe er lange Zeit gedacht: „Ein Glück, dass wenigstens der Papst auf Lebenszeit amtiert. Dann ist die Kontinuität dieser Vaterschaft gesichert.“ Allerdings merke er an sich selbst, „wie ich mit den Jahren doch mehr und mehr in den Seilen hänge, räumte der 79-jährige Meisner ein. „Und insofern ist es schon sinnvoll, dass man auch zurücktreten kann.“ Dennoch habe ihn der Rücktritt total überrascht, weil Benedikt XVI. nie eine Andeutung gemacht habe. „Und wenn, dann hätte ich es nicht begriffen.“

Papst Benedikt - sein Leben in Bildern
Papst Benedikt XVI. wird am 28. Februar zurücktreten. Hier können Sie seine wichtigsten Lebensstationen in Bildern nachverfolgen. Das Foto zeigt den Schuljungen Josef Ratzinger im Jahr 1932 in Aschau am Inn. Am Tag seiner Rücktrittserklärung würdigte ihn der langjährige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) als „größten Sohn Bayerns“ in der mehr als tausendjährigen Geschichte des Landes.Weitere Bilder anzeigen
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11.02.2013 17:29Papst Benedikt XVI. wird am 28. Februar zurücktreten. Hier können Sie seine wichtigsten Lebensstationen in Bildern nachverfolgen....

Papst Benedikt XVI. hatte die Welt am Montag mit einer Rücktrittsankündigung überrascht. Bei einer Vollversammlung der Kardinäle in Vatikanstadt sagte der 85-Jährige, er werde sein Amt am 28. Februar niederlegen, da seine Kräfte für die Aufgaben des Papstes nicht mehr ausreichten. In der katholischen Kirchengeschichte hat es bisher nur einmal einen vergleichbaren Rücktritt gegeben. Benedikt hatte in seine Entscheidung offenbar nur engste Vertraute einbezogen: Selbst der Kurienkardinal und ehemalige Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano nannte seine Entscheidung einen „Blitz aus heiterem Himmel“.

„Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr ausreichen, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben“, sagte Benedikt XVI. in seiner im Original auf Latein gehaltenen Rede. Um in der sich stetig wandelnden Welt die katholische Kirche zu führen, sei „sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen“. Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes werde er „auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri“ verzichten, sagte Benedikt. Der Stuhl des Heiligen Petrus werde „ab dem 28. Februar 2013, um 20.00 Uhr ... vakant sein“.

Wer wird nächster Pontifex?
... Francis Arinze. Der ehemalige Erzbischof von Onitsha kommt aus Nigeria und gilt als wichtige Figur im interreligiösen Dialog. Unter Benedikt arbeitete der 80-Jährige 2009 als Präsident der Bischofssynode für Afrika.Alle Bilder anzeigen
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11.03.2013 18:29... Francis Arinze. Der ehemalige Erzbischof von Onitsha kommt aus Nigeria und gilt als wichtige Figur im interreligiösen Dialog....

Vatikansprecher Federico Lombardi kündigte an, bis Ostern solle ein Nachfolger feststehen. Das Konklave zur Wahl des neuen Kirchenoberhauptes könne innerhalb von 15 bis 20 Tagen nach dem Rücktritt beginnen. Ostersonntag ist am 31. März. Benedikt werde im Konklave keine Rolle spielen. Lombardi sagte weiter, „der Papst hat uns ein bisschen überrascht“. Die meisten anwesenden Kardinäle seien nicht informiert gewesen. Benedikt werde sich nach dem Rücktritt zunächst in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo zurückziehen und danach in ein Kloster innerhalb des Vatikans. Er habe „oft gesagt, er wolle seine Zeit dem Gebet, dem Nachdenken und eventuell dem Schreiben“ widmen. Der Papst habe den Entschluss aus freien Stücken getroffen. Es gebe auch keine besondere Krankheit als Anlass dafür, lediglich Altersgründe. Der Rücktritt entspreche dem Kirchenrecht.

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