Papst und Homo-Ehe : Im Zweifel dagegen

Franziskus hat in Washington die Standesbeamtin Kim Davis getroffen - ein Geschenk an die Republikaner und an die Hardliner in seiner Kirche.

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Kämpft gegen die Homo-Ehe. Standesbeamtin Kim Davis aus Kentucky.
Kämpft gegen die Homo-Ehe. Standesbeamtin Kim Davis aus Kentucky.Foto: REUTERS

Es wurde erst am Dienstagabend bekannt, und es ist ein Knüller: Papst Franziskus hat während seiner USA-Reise vergangenen Donnerstag Kim Davis getroffen, die Standesbeamtin aus Kentucky, die lieber ins Gefängnis geht, als Homosexuelle zu trauen. Da Treffen hat wohl kurz nach seiner Ansprache vor dem Kongress stattgefunden. Davis und ihr Mann sind zum Hintereingang der amerikanischen Botschaft gebracht und an der Öffentlichkeit vorbei zum Papst geführt worden.

Franziskus habe sie zur Begrüßung umarmt und sie in ihrer Haltung bestärkt, berichtete Kim Davis kurz danach dem katholischen Monatsmagazin „Inside the Vatican“. “Vielen Dank für Ihren Mut”, sagte der Papst und dass sie “stark bleiben” solle. Dann gab er ihr und ihrem Mann, der mitgekommen war, je einen Rosenkranz als Geschenk. Sie sei in Tränen ausgebrochen, so gerührt sei sie gewesen, beschreibt Kim Davis gegenüber dem Magazin die Situation. Der Vatikan und das Ehepaar Davis vereinbarten Stillschweigen über die Begegnung, bis der Papst die USA verlassen hatte. Man wollte nicht, dass das Treffen die restlichen Reise überlagert.

Die Standesbeamtin ist die Märtyrerin aller Gegner der Homo-Ehe

Das hätte es garantiert getan. Denn das Treffen, auch wenn es nur eine knappe Viertelstunde dauerte, hat Sprengkraft. Die 49-jährige Standesbeamtin ist längst zur Märtyrerin geworden für alle Konservativen in den USA und im Vatikan, die Homosexualität und die Homo-Ehe für Teufelszeug halten. Ein größeres Geschenk hätte ihnen Franziskus gar nicht machen können, als Kim Davis zu empfangen.

Wie die „New York Times“ am Mittwoch schreibt, sei die Begegnung durch den Vatikan eingefädelt worden, nicht von der amerikanischen Bischofskonferenz. Kardinäle im Vatikan seien auf die leitende Verwaltungsbeamtin von Rowan County aufmerksam geworden und hätten sich für das Treffen eingesetzt. Vermutlich handelt es sich um jene Hardliner in Rom, die seit Wochen und Monaten die Klingen gegen ihre reformwilligen Kollegen wetzen und sich in Stellung bringen gegen jegliche Veränderung der katholischen Sexualmoral oder des katholischen Familienbildes. Denn kommenden Sonntag beginnt in Rom die Familiensynode, bei der die katholischen Bischöfe und Kardinäle aus aller Welt genau darüber diskutieren wollen. Die Reformwilligen unter den Bischöfe, auch die meisten deutschen Bischöfe, hoffen auf Veränderungen etwa im Umgang der Kirche mit Homosexualität und Geschiedenen, die wieder geheiratet haben. Ihnen stehen Kardinäle gegenüber, die jegliche Änderung an der katholischen Sexualmoral für einen Verrat an der Wahrheit und am Evangelium halten.

Kim Davis gehört einer so pfingstkirchlich geprägten Gemeinde am konservativen rechten Rand der katholischen Kirche an. Die Gemeinde legt die Bibel wörtlich aus und hält die Ehe für eine Institution allein für Mann und Frau. Dass sie sich weigert, ihre Unterschrift unter Heiratspapiere von schwulen und lesbischen Paaren zu setzen, begründet sie mit ihrer Verpflichtung, die sie vor Gott und der Bibel habe. Und die stellt sie über ihre Bindung an weltliche Gesetze. Dafür nahm die Standesbeamtin auch fünf Tage Beugehaft in Kauf.

Für den Papst ist göttliches Recht im Zweifel wichtiger als Gesetze

Dass im Zweifel die Bindung an Gott wichtiger ist als weltliche Gesetze, sieht auch Papst Franziskus so. In seiner Rede in Philadelphia hatte er sich für die Religionsfreiheit stark gemacht. Auf seinem Rückflug nach Rom sagte er Journalisten laut "Inside the Vatican": Es sei ein Menschenrecht, im Zweifel seinem Gewissen zu folgen. Auf die Frage, ob das auch für Staatsangestellte gelte, die ihr Gewissen über die Gesetze stellten, betonte er: “Gewissensentscheidungen sind ein Menschenrecht. Wer dieses Recht beschneidet, beschneidet ein Menschenrecht. Dieses Recht muss in allen Rechtssystemen verankert sein. Wenn nicht, könnten ja Menschen allein bestimmen, was rechtens ist und was nicht.“ Nach der Lehre der katholischen Kirche spiegelt sich im menschlichen Gewissen ein göttliches, alle Zeiten überdauerndes Recht."

 

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