Politik : Papst will „die Einheit aller Christen“

Benedikt XVI. setzt auf die Jugend und betont den Dialog der Religionen

Martin Gehlen[Rom]

Der neue Papst Benedikt XVI. hat die Einheit der Christen und den Dialog mit anderen Religionen als seine wichtigsten Aufgaben bezeichnet. In der ersten Predigt als Oberhaupt der katholischen Kirche skizzierte Joseph Ratzinger am Mittwoch in der Sixtinischen Kapelle in Rom erste Grundzüge eines Programms für sein Pontifikat.

Der Nachfolger des Petrus „übernimmt es als vorrangige Pflicht, dafür zu arbeiten, dass die umfassende und sichtbare Einheit aller Christen wiederhergestellt wird“. Er werde dafür keine Mühe scheuen, sagte der neue Pontifex während des Gottesdienstes, an dem alle Kardinäle, aber auch Bischöfe, Priester und Ordensschwestern teilnahmen. „Dafür reicht es nicht, guten Willen zu demonstrieren. Konkrete Taten sind notwendig, die die Seelen erreichen und das Bewusstsein bewegen.“ Zugleich rief der Papst zu Frieden und Dialog auf. „Ich wende mich an alle, auch an die, die anderen Religionen folgen oder einfach eine Antwort suchen auf fundamentale Fragen der Existenz und sie noch nicht gefunden haben“, sagte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation in der auf Lateinisch gehaltenen Ansprache. Diesen Menschen biete er einen offenen und ernsthaften Dialog, „im Streben nach dem wahrhaft Guten für Menschheit und Gesellschaft“.

Benedikt XVI. kündigte an, er werde im August zum Weltjugendtag nach Köln kommen: „Mit euch, liebe Jugend, Zukunft und Hoffnung der Kirche und der Menschheit, will ich weiter den Dialog führen.“ In dem Zusammenhang bekannte sich der deutsche Pontifex entschieden zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Dessen Umsetzung wolle er fortsetzen, „in der Nachfolge meiner Vorgänger und in getreuer Kontinuität mit der 2000 Jahre alten Tradition der Kirche“. Das Konzil hatte vor vierzig Jahren eine Öffnung der Kirche zur Welt und innerkirchliche Reformen in Gang gesetzt.

Seine erste Nacht als Papst verbrachte Ratzinger in dem vatikanischen Gästehaus St. Martha, wo er während des Konklaves mit den anderen Kardinälen gewohnt hatte. Er wird noch vor seiner Amtseinführung am Sonntag in eine provisorisch hergerichtete Wohnung im Apostolischen Palast neben dem Petersplatz einziehen, bis die offizielle Papstwohnung im dritten Stock des Gebäudes nach seinen Wünschen renoviert ist.

Polens Präsident Aleksander Kwasniewski lud am Mittwoch den neuen Papst in die Heimat seines Vorgängers Johannes Paul II. ein. An der Amtseinführung Benedikts XVI. am Sonntag in Rom werden auch Bundespräsident Horst Köhler, Kanzler Gerhard Schröder und Oppositionschefin Angela Merkel teilnehmen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, rief den Papst auf, „Pluralität anzuerkennen und Verschiedenheit zu leben“. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime betonte, der Papst möge den Dialog mit anderen Religionen voranbringen. Mehrere Bischöfe warnten davor, den als konservativ bekannten Ratzinger vorschnell in eine Schublade zu stecken. Katholische Frauenorganisationen appellierten an den Pontifex, die Rolle der Frauen in der Kirche zu stärken und zumindest die Weihe von Diakoninnen zuzulassen. (mit dpa)

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