Politik : Papst wünscht Frieden für den Nahen Osten

Weihnachtsansprachen in aller Welt rufen zur Versöhnung von Religionen und Völkern auf

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Berlin - In ihren Weihnachtsbotschaften haben Kirchen und Politik in diesem Jahr zur Verständigung zwischen den Religionen und zwischen benachbarten Völkern und Kulturen aufgerufen. Papst Benedikt XVI. appellierte in seiner Ansprache vor etwa hunderttausend Menschen auf dem Petersplatz in Rom an Israelis und Palästinenser, ihren Dialog wieder aufzunehmen: Die Menschen im Nahen Osten hätten „das unveräußerliche Recht auf einen gerechten und dauerhaften Frieden“. Der Papst sprach auch von seinem Wunsch, die Region zu besuchen: „Ich hoffe, das die Umstände meine Pilgerreise ins Heilige Land möglich machen.“ Er appellierte an die Verantwortlichen im Irak, die „grausame Gewalt, die das Land mit Blut überzieht, zu beenden“.

Auch der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Michel Sabbah, forderte während der Christmette in der überfüllten katholischen Katharinenkirche in Bethlehem auf, das „Zeitalter des Todes“ zu beenden. Während des Gottesdienstes in der katholischen Basilika, an dem auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teilnahm, beklagte Sabbah die Lage in der Geburtsstadt Jesu: Die Mauer an der Grenze zu Jerusalem und eine hohe Arbeitslosigkeit erschwerten den Alltag. Nun komme Blutvergießen zwischen den Palästinensern hinzu, sagte Sabbah, der selbst Palästinenser ist. Das Heil liege für Israelis wie Palästinenser „in der Annäherung der beiden Völker, nicht in der Trennung“.

Die britische Königin rief in ihrer Weihnachtsansprache dazu auf, sich stärker auf die Gemeinsamkeiten der großen Religionen zu besinnen. Die Botschaft Elisabeths II. wurde dadurch unterstrichen, dass erstmals während ihrer traditionellen Fernsehansprache Bilder betender Muslime gezeigt wurden; auch Aufnahmen von jüdischen und hinduistischen Zeremonien wurden eingeblendet.

In Deutschland mahnte Münchens Kardinal Friedrich Wetter die katholischen Gläubigen, den „festen, unnachgiebigen Glauben der Muslime“ als positive Herausforderung zur Festigung des eigenen Glaubens zu nehmen. Die evangelische Landesbischöfin von Niedersachsen, Margot Käßmann betonte dagegen im Deutschlandfunk man dürfe im Dialog mit dem Islam eigene Grundsätze nicht vergessen. Sie äußerte Verständnis für den Kölner Kardinal Meisner, der gemeinsame Feiern verboten hatte. Man wolle keine Vermischung, sondern müsse erst den eigenen Glauben kennen. In ihrer Weihnachtsbotschaft wandte sich Käßmann gegen die Ökonomisierung des Lebens. „Wer schwach und verletzbar ist im Leben, hat den gleichen Wert vor Gott wie die imposante Schauspielerin oder der erfolgreiche Unternehmer“, sagte die Bischöfin. „Wir werden uns nicht reduzieren lassen auf Einkaufsmaschinen oder Lohnempfänger.“

Auch der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, kritisierte ein verbreitetes Nützlichkeitsdenken: „Wir fragen oft gar nicht mehr, was eine Sache für sich selbst ist, sondern meist nur, was wir mit ihr anfangen können.“ Sein evangelischer Amtsbruder, der Berliner Bischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber, rief zum Schutz der Kinder auf: „Oder wollen wir die Geburt des Kindes als unser wichtigstes Fest begehen und zugleich die Gleichgültigkeit gegenüber Kindern fortsetzen?“

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in ihrer Weihnachtsbotschaft zu Mitmenschlichkeit aufgerufen: Wichtiger als Geschenke sei es, Zeit für Menschen aufzubringen, die Sorgen hätten, krank oder einsam seien, sagte sie. Tsp

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