Papstbesuch in Deutschland : Drängende Fragen wurden überhört

Benedikt XVI. ist 84 Jahre alt und wird vermutlich nicht noch einmal nach Deutschland kommen. Was er von Donnerstag bis Sonntag gesagt und gepredigt hat, ist sein Vermächtnis für die Deutschen. Die Bilanz des Papstbesuches fällt gemischt aus.

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25.09.2011 15:50Der Papst hebt ab: Am Sonntag ging der Deutschlandbesuch des Pontifex zu Ende.

Die westlichen Gesellschaften sind aus seiner Sicht gefährdet durch einen „alle Lebensbereiche durchdringenden Relativismus“, durch einen „übersteigerten Individualismus“, durch einen absolut gesetzten Positivismus und Materialismus. Kaum noch jemand will sich dauerhaft binden, diagnostiziert der Papst, grundlegende, unumstößliche Werte drohten, verloren zu gehen. Benedikt ist gekommen, um die Deutschen zu warnen, sie zur „Umkehr“ zu ermahnen und für Gottes Botschaft der Liebe zu werben. Das hat er getan. Er hat seine Standpunkte vertreten, authentisch und mit klaren Worten. Man kann ihm nicht vorwerfen, er sei eingeknickt. Allerdings ist der Papst weder auf die drängenden Probleme innerhalb der katholischen Kirche eingegangen, noch hat er einen Impuls für die Annäherung an die evangelische Kirche gegeben. Er hat Protestanten wie Katholiken mit seinen bisweilen schroffen Worten brüskiert.

Erfolgreich war der Staatsbesuch am Donnerstag in Berlin. Die Begegnungen mit dem Bundespräsidenten und mit der Bundeskanzlerin verliefen in freundschaftlicher Atmosphäre. Mit seiner Rede im Bundestag hat Benedikt XVI. selbst seine Kritiker überrascht. Er hat seine Botschaft abgemildert, wonach es außerhalb des Evangeliums und der katholischen Kirche keine Wahrheit und kein Heil geben kann. Er hat deutlich gemacht, dass er andere Sichtweisen zumindest respektiert.

Auch bei Juden und Muslimen kam Benedikt gut an, weil er bei den Treffen mit ihnen die Gemeinsamkeiten der abrahamitischen Religionen in den Mittelpunkt stellte und nicht so sehr das Trennende. So konnte er etwas von der Missstimmung der vergangenen Jahre auflösen. Allerdings wurde auch nicht über heikle Themen gesprochen. In Thüringen war die Messe im Wallfahrtsort Etzelsbach im traditionell katholischen Eichsfeld ein Heimspiel. 90 000 Menschen kamen – mehr als erwartet. Benedikt lobte die Eichsfelder für ihre Glaubensstärke, die sie sich auch während der DDR bewahrt haben.

Die Ökumene liegt dem Papst am Herzen, aber nicht die mit den Protestanten. Lesen Sie weiter auf Seite 2.

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