Politik : Papstbesuch: Orthodoxe lehnen die Visite ab

Klaus Bachmann

Die griechisch-katholische Kathedrale von Lemberg erstrahlt in neuem Glanz. Für die Hierarchen und Gläubigen der ukrainischen Nationalkirche ist der Papstbesuch, der an diesem Wochenende beginnt, eine Bestätigung ihrer Rückkehr ins religiöse und soziale Leben der Ukraine. Die Pilgerfahrt des katholischen Oberhauptes dient vor allem der Unterstützung der griechisch-katholischen Kirche. Vielen ukrainischen Orthodoxen ist sie dagegen ein Dorn im Auge. Außer wenigen, von Laien kaum wahrnehmbaren Unterschieden im Ritus unterscheidet beide Kirchen nichts - nur eben, dass die griechisch-katholische Kirche dem Papst untersteht. Die ukrainischen Orthodoxen wiederum sind untereinander gespalten: In eine Kirche, deren Oberhaupt der Moskauer Patriarch Aleksej II. ist, in ein Kiewer Patriarchat unter Filaret und in eine autokephale Orthodoxie, die aus der antikommunistischen Orthodoxie der ukrainischen Emigration in den USA und Kanada hervorgegangen ist. Vom Patriarchen von Konstantinopel wird nur das Moskauer Patriarchat anerkannt, während die ukrainische Regierung nach anfänglichem Zögern das Kiewer Patriarchat unterstützt - als Gegengewicht zur prorussischen Orthodoxie. Obwohl die Autokefalen und Filaret den Papstbesuch begrüßen, während die prorussischen Orthodoxen zu Protestkundgebungen aufgerufen haben, wird sich der Papst nicht mit ihnen treffen - weil er den Patriarchen von Konstantinopel nicht desavouieren will.

Für die neue, nach Anerkennung im Ausland strebende Regierung des neuen Premierministers Anatolij Kinach sowie den autoritären Präsidenten Leonid Kutschma kommt der Papstbesuch genau zur richtigen Zeit.

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