Politik : Parade für Schwule in Warschau

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Warschau – Erstmals seit drei Jahren hat Warschaus nationalkonservative Stadtverwaltung wieder eine Schwulenparade genehmigt. Die „Parade der Gleichheit“ findet am 10. Juni in Polens Hauptstadt statt – allerdings zeitgleich mit dem „Marsch der Tradition und Kultur“. Die Gegendemonstranten der nationalistischen „Allpolnischen Jugend“, deren Anhänger bereits mehrmals Teilnehmer von Schwulenparaden tätlich attackierten, werden auf derselben Trasse in die Gegenrichtung marschieren. Es werde sicher zu „Provokationen“ kommen, sagte ein Polizeisprecher. An der Schwulenparade in Warschau wollen der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck, die Fraktionsvorsitzende Renate Künast und Grünen-Chefin Claudia Roth teilnehmen. Beck war am vergangenen Samstag auf einer Homosexuellen-Kundgebung in Moskau von Rechtsextremen angegriffen und verletzt worden.

Unterdessen muss Polens Staatsanwaltschaft auf Intervention von Wojciech Wierzejski, dem stellvertretenden Vorsitzenden der rechtsklerikalen Regierungspartei LPR, in den nächsten drei Wochen die angebliche Verbindung homosexueller Organisationen mit der Drogenmafia und dem „pädophilen Milieu“ untersuchen. Wierzejski hatte in einem Schreiben an das Innen- und das Justizministerium die Überprüfung der Finanzen der Homosexuellen-Organisationen und der von ihm vermuteten „Penetration der polnischen Schulen“ gefordert. Dass die Justiz sich landesweit an der von den Nationalisten durchgesetzten Ermittlungen beteiligen muss, stößt in Kreisen der Staatsanwaltschaft auf wenig Begeisterung. „Wir sind nicht dazu da, von irgendwem die sexuelle Orientierung zu überprüfen“, sagte ein Beamter der Zeitung „Rzeczpospolita“. tro/AFP

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