Politik : Paris denkt an Abzug aus Afghanistan „Dauerhafte Besetzung gegen unsere Prinzipien“

Hans-Hagen Bremer

Paris - Frankreich will seine Truppen „nicht auf lange Frist“ in Afghanistan belassen. Das erklärte der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy am Freitag in Paris, einen Tag bevor ein Ultimatum der islamistischen Taliban-Rebellen ablaufen sollte. Die Taliban fordern im Gegenzug für die Freilassung zweier französischer Geiseln, dass Frankreich sein Kontingent der Nato-Mission Isaf bis Samstag abzieht. Douste-Blazy begründete die Überlegungen damit, dass eine dauerhafte Besetzung Afghanistans „gegen die französischen Prinzipien der Souveränität, der nationalen Unabhängigkeit und der territorialen Integrität verstoßen“ würde.

Der Außenminister, der im Wahlkampf auf der Seite des Chefs und Kandidaten der konservativen Regierungspartei UMP, Nicolas Sarkozy, steht, bestätigte damit Sarkozys Äußerungen über ein mögliches Ende des französischen Engagements in Afghanistan. Die Entsendung französischer Truppen im Rahmen des Antiterrorkampfs sei „sehr nützlich gewesen“, um den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai zu unterstützen, hatte Sarkozy am Donnerstagabend in einer Wahlsendung des Fernsehens gesagt. „Ihre dauerhafte Präsenz in diesem Teil der Welt scheint mir aber nicht entscheidend zu sein“, meinte er. Er verwies auf Präsident Jacques Chirac, der schon Ende 2006 entschieden hatte, 200 Angehörige einer französischen Spezialeinheit und andere Einheiten zurückzuholen. „Diese Politik werde ich fortsetzen“, kündigte Sarkozy für den Fall seines Siegs in der Stichwahl am 6. Mai an.

Frankreich würde damit die Bemühungen der Nato unterlaufen, die Mitgliedstaaten im Gegenteil für eine Verstärkung der Isaf zu gewinnen. An der 35 000 Mann starken Mission, die die Allianz führt, ist Frankreich mit 1100 Soldaten und Rafale-Kampfflugzeugen beteiligt. Die Äußerungen des als proamerikanisch geltenden Sarkozy werden in Paris daher auch als Wink an die Taliban verstanden. Sie hatten am 3. April zwei von ihnen nur als „Eric“ und „Céline“ identifizierte Mitarbeiter der Organisation „Terre d’enfance“ und deren drei afghanische Helfer im Südwesten des Landes entführt.

Außer der Freilassung eigener Leute durch die Regierung in Kabul fordern die Geiselnehmer den Abzug der französischen Soldaten aus Afghanistan. Das Ultimatum läuft nach einem Kommuniqué, das am Freitag von der afghanischen Hauptstadt aus an die französische Nachrichtenagentur AFP abgeschickt wurde, am heutigen Samstag ab. „Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um sie freizubekommen“, versicherte Außenminister Douste-Blazy.

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