Politik : Paris übt wieder Partnerschaft

Die Frankreich-Wahl hat Merkel kaum begeistert, doch der neue Präsident heizt den Konflikt nicht an.

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So zögerlich und zurückhaltend, wie sich Angela Merkel und François Hollande kürzlich in Paris begrüßten, war die deutsch-französische Freundschaft selten. Der französische Präsident schüttelte der Bundeskanzlerin die Hand, sie klopfte ihm zaghaft auf die Schulter. Früher gab es Handküsse für Merkel von Jacques Chirac und Umarmungen von Nicolas Sarkozy.

Diese unterschiedlichen Gesten zeigen, dass die Freundschaft derzeit unter Spannung steht. Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten bemüht sich Frankreich nun wieder um ein gutes Verhältnis zum Nachbarn. Und Deutschland reagiert positiv auf diese Beziehungspflege. Diese Woche ist besonders voll von Ereignissen, die die Partnerschaft zelebrieren.

Hollande lud Bundespräsident Joachim Gauck am Montag zu einem Abendessen im Elyséepalast und kurzer Unterredung ein. „Die beiden Präsidenten hatten sehr interessante Gespräche“, sagte ein Sprecher von Gauck anschließend. Es sei um Themen wie die Zukunft Europas und die Feiern im Januar zum 50-jährigen Bestehen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit gegangen.

Finanzminister Pierre Moscovici bezeichnete in einem Interview mit der Tageszeitung „Le Figaro“ die Beziehung als gut: „Im Gegensatz zu dem, was hier und dort gesagt wird, sind die Beziehungen zwischen Berlin und Paris gut.“

Am Dienstag war Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zu einer Feierstunde im Goethe-Institut in Paris eingeladen. Dort wurde der 50. Geburtstag der Pariser Einrichtung gefeiert. Außerdem war ein Treffen mit seinem Amtskollegen Laurent Fabius eingeplant.

Besonders symbolisch wird es am kommenden Sonntag. Dann treffen sich Merkel und Hollande in Reims und wollen den 50. Jahrestag der deutsch-französischen Aussöhnung feiern. In der Kathedrale wollen die beiden das Ereignis würdigen, das zum deutsch-französischen Freundschaftsvertrag führte. Der Elyséevertrag der Partnerschaft wurde am 22. Januar 1963 unterzeichnet. Zum 50. Jahrestag Anfang kommenden Jahres wird es auch zahlreiche Festakte geben.

Hollande bemüht sich seit kurzem, das Verhältnis zu Berlin zu verbessern. Im Präsidentschaftswahlkampf und auch in den ersten Wochen im Amt hatte der neue sozialistische Präsident die Bundeskanzlerin und ihren Sparkurs für Europa heftig kritisiert und war so auf Distanz zu ihr gegangen. Doch seit dem Sieg bei den Parlamentswahlen vor gut zwei Wochen ist Hollande nicht mehr im Wahlkampf und schlägt versöhnliche Töne an. Das zeigte sich auch schon vor dem EU-Gipfel, vor dem Paris und Berlin ganz offensichtlich Einheit demonstrierten.

Merkel hatte Hollande im Präsidentschaftswahlkampf vor den Kopf gestoßen, indem sie seinen Vorgänger Nicolas Sarkozy ganz offensichtlich unterstützte. Hollande hatte daraufhin nach seinem Wahlsieg am 6. Mai nicht Merkel, sondern die deutsche Opposition nach Paris eingeladen. Die SPD-Politiker Sigmar Gabriel, Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück wurden noch vor der deutschen Regierungschefin im Elyséepalast empfangen. Merkel kam erst vergangene Woche zum ersten Mal nach Paris.

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