Politik : Paris vermittelt in Abidjan

Frankreichs Außenminister will ein zweites Ruanda verhindern

Sabine Heimgärtner

Paris . Nach drei Monaten blutigen Bürgerkriegs in Elfenbeinküste will die alte Kolonialmacht Frankreich die Kriegsparteien zur Einhaltung der Waffenstillstandsabkommen bewegen. Außenminister Dominique de Villepin, der am Freitag in das Land reiste, sagte kurz vor seinem Abflug: „Der Konflikt eskaliert, es muss dringend eine friedliche Lösung gefunden werden.“ Er wolle bis Sonntag zwischen den verfeindeten Gruppen vermitteln und „einen Dialog herbeiführen“. Sein Ziel sei die „Versöhnung", damit Elfenbeinküste – einst der stabilste und als weltweit größter Kakaoproduzent wirtschaftlich stärkste Staat der Region – wieder „ein friedliches, reiches und tolerantes Land wird“. Der Waffenstillstand müsse von allen Seiten eingehalten werden, sagte Villepin. Die Krise berge ein doppeltes Risiko, „eine Verschlechterung der inneren Lage in Elfenbeinküste und eine Destabilisierung der gesamten Region“.

Gegen Villepins Besuch demonstrierten in Elfenbeinküste jedoch hunderte Regierungsanhänger. Nach Gerüchten, de Villepin wolle Präsident Laurent Gbagbo wie von den Rebellen gefordert zum Rücktritt bewegen, blockierten die Demonstranten die Residenz des Staatschefs in Abidjan, wo eine erste Unterredung der beiden Politiker stattfand. „Villepin, Rebell“, rief die wütende Menge.

Zu der Mission wurde Villepin von Staatspräsident Chirac gebeten, „um eine Katastrophe zu verhindern", wie der Außenminister sagte. Der Initiative war Frankreichs scharfe Kritik am wiederholten Bruch des Waffenstillstands vorausgegangen. Die ivorische Regierung hatte am Donnerstag den Vorwurf von Rebellen zurückgewiesen, bei einem Raketenangriff auf das Fischerdorf Menakro am Dienstag mindestens zwölf Zivilisten getötet zu haben. Die Rebellen drohten daraufhin mit einem Ende des Waffenstillstands und einer Großoffensive. Sie kontrollieren mittlerweile den Norden des Landes und kämpfen um die Eroberung des Westens. Ihr Ziel ist der Sturz von Präsident Gbagbo, dem sie vorwerfen, den muslimischen Norden des Landes zu benachteiligen. Seit Beginn des Bürgerkriegs versuchen rund 2500 französische Soldaten, einen Waffenstillstand zu erreichen und die französischen Staatsbürger sowie andere Ausländer zu schützen.

Aus dem Elysée-Palast verlautete indirekt, eine Eskalation des Konflikts wie 1994 in Ruanda sei unbedingt zu vermeiden. Damals kam es unter den Augen der dort stationierten französischen und belgischen Friedenstruppen zu einem Blutbad zwischen den verfeindeten Hutus und Tutsi mit mehr als 500 000 Toten.

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