Politik : Paris weist deutsche Kritik an französischem KFOR-Einsatz zurück

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Die Konfrontation zwischen demonstrierenden Kosovo-Albanern und französischen KFOR-Soldaten um den Zugang zu einem serbischen Viertel der Stadt Kosovska Mitrovica ist inzwischen auch Gegenstand einer deutsch-französischen Kontroverse. Nach den Worten ihres Befehlshabers Helmut Harff werden die deutschen KFOR-Einheiten im Kosovo bei Bedrohung durch die Bevölkerung keine "Schwäche" zeigen. "Wer Schwäche zeigt, wird auf dem Balkan so behandelt werden", sagte Harff am Mittwoch im DeutschlandRadio Berlin. "Unsere Soldaten sind so ausgebildet, dass wir Schwächezeichen erst gar nicht aufkommen lassen. Es geht auch darum, die Waffe zu zeigen und zu benutzen. Wer schneller schießt und besser trifft, überlebt. Darum geht es hier."

Für ihn seien die Schwierigkeiten der französischen Soldaten in deren Gebiet nicht verständlich, sagte der deutsche Befehlshaber weiter. "Ich meine, man sollte durchaus von der Möglichkeit eines Warnschusses Gebrauch machen, bevor man sich verprügeln und schlagen lässt." Bei Auseinandersetzungen zwischen der albanischen Bevölkerung im Kosovo und französischen Soldaten waren auf beiden Seiten Menschen verletzt worden. Die französischen Einheiten hatten versucht, Kosovo-Albaner von Übergriffen auf Serben abzuhalten.

Die Begleitung der von den Vereinten Nationen gestellten internationalen Polizeitruppe sei vorerst noch notwendige Aufgabe der Soldaten, sagte Harff weiter. Man sollte diesen Polizeieinheiten "eine Chance geben", und das bedürfe angesichts der derzeitigen Unruhen im Land zunächst einer Begleitung durch Soldaten. Zugleich begrüßte Harff die Nominierung des deutschen Generals Klaus Reinhardt als Oberbefehlshaber der KFOR. Er erwartet dabei keine Vorbehalte gegen einen deutschen Oberbefehlshaber von Seiten der Soldaten anderer Nationen.

Das Pariser Verteidigungsministerium wies Harffs Kritik unterdessen zurück. Die französischen Truppen im Kosovo hätten bei den jüngsten Auseinandersetzungen mit randalierenden Albanern keine Schwäche gezeigt, hieß es. Im Gegenteil sei es ein Zeichen der Stärke, Ruhe zu bewahren und nicht zu schießen. "Wir kennen ähnliche Situationen seit vielen Jahren", sagte ein Presseoffizier dem Tagesspiegel. Bereits in Bosnien, aber auch in Afrika sei die französische Armee mit Unruhen und Provokationen konfrontiert worden. "Dabei haben wir ein Know-how erworben, das nun im Kosovo seine Früchte trägt."

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