Politik : Paris will Jugendliche härter bestrafen

Hans-Hagen Bremer

Paris - Nach einer weiteren Nacht gewalttätiger Zusammenstöße zwischen Jugendlichen und der Polizei in zwei Pariser Vororten hat sich Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy für ein härteres Vorgehen gegen „Rowdys“ ausgesprochen. Angesichts der Tatsache, dass die jungen Leute vermummt und bewaffnet gewesen seien, könne man nicht von einer „spontanen Revolte“, sondern nur von Vorsatz sprechen, sagte er vor Polizeibeamten. Die Taten seien nicht tolerierbar und würden auch nicht toleriert.

In der Nacht zum Mittwoch griffen Jugendliche in Clichy-sous-Bois und Montfermeil die Polizei mit Steinen und Brandsätzen an. Ein Polizeiwagen und zwölf andere Autos gingen in Flammen auf. Drei Beamte wurden verletzt und 13 junge Leute festgenommen. Die beiden Orte im Norden der Pariser Banlieue waren bereits am Vorabend Schauplatz gewalttätiger Zusammenstöße zwischen jungen Leuten und der Polizei gewesen. Unter den am Dienstagabend Festgenommenen, die inzwischen wieder auf freien Fuß sind, befand sich auch der 18-jährige Muhittin Altun. Er hatte sich im Oktober vergangenen Jahres schwer verletzt, als er mit zwei anderen Jugendlichen auf der Flucht vor der Polizei Zuflucht in einem Transformatorhaus suchte. Dabei waren seine beiden Kameraden ums Leben gekommen. Ihr Tod löste damals den wochenlangen Aufruhr jugendlicher Einwanderer in französischen Vorstädten aus.

Die Zusammenstöße am Montagabend waren nach Polizeiangaben nach der Festnahme eines jungen Mannes in Montfermeil ausgebrochen, der wegen eines Überfalls auf einen Busfahrer gesucht wurde. Wie Augenzeugen berichten, war es dabei zu Handgreiflichkeiten gekommen, die Polizei setzte Tränengas ein. Sie habe den jungen Mann in Gegenwart anderer Jugendlicher und seiner Mutter gezwungen, die Hose herunterzulassen, und dann die protestierende Mutter ebenfalls vorübergehend festgenommen. Auch die Wut über einen wieder aufgehobenen Erlass des Bürgermeisters habe eine Rolle gespielt. Dieser hatte Gruppen von mehr als drei Jugendlichen abends den Aufenthalt auf der Straße verboten.

Das Wiederaufleben der Gewalt lösteeine neue Kontroverse um die Rolle Sarkozys aus. Der Sozialistenchef Francois Hollande warf dem konservativen Innenminister vor, wie im vergangenen Herbst mit forschen Reden Spannungen zu provozieren, zur Lösung der Krise aber nichts zu tun.

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