Politik : Paris will mehr Job-Chancen für Junge

Rudolf Balmer

Paris - Wer leichter entlassen darf, wird umgekehrt schneller zusätzliche Leute anstellen. Mit dieser Überlegung will die französische Regierung die Jugendarbeitslosigkeit abbauen. Ein neuer Arbeitsvertrag für Berufseinsteiger erlaubt es ab sofort den Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten, neue Mitarbeiter unter 26 Jahren zu rekrutieren, denen sie während einer zweijährigen Probezeit ohne Angabe von Gründen wieder kündigen können. Den Firmen, die unqualifizierte Jugendliche oder Langzeitarbeitslose unter 26 fest einstellen, will Premierminister Dominique de Villepin für drei Jahre sämtliche Arbeitgeberbeiträge erlassen.

Frankreich hat eine der höchsten Quoten bei der Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Mehr als 600 000 junge Erwachsene, fast 23 Prozent der Erwerbsfähigen zwischen 18 und 25, suchen eine Stelle. Und in den meisten Fällen ist es der erste feste Job, dem sie zu lange vergeblich nachrennen. Als „absurd und ungerecht“ bezeichnete es am Montag de Villepin, dass auch Abgänger von Universitäten und Fachhochschulen im Schnitt acht bis elf Jahre brauchen, bis sie einen Vertrag für eine feste Arbeit unterzeichnen. Besonders benachteiligt sind die Jugendlichen, die in den Außenbezirken der „Banlieue“ wohnen, wo der Anteil der jungen Erwerbslosen nicht selten 40 Prozent beträgt. Die Vorstadtkrawalle im vergangenen November haben der Regierung auf drastische Weise in Erinnerung gerufen, wie dringend Sofortmaßnahmen für die Integration der Jungen in die Arbeitswelt wären.

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