Politik : Pariser Fegefeuer

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Halb Frankreich ist schon in den Ferien, die schwierige Rentenreform fast unter Dach und Fach. Mitten in dieser friedlichen Sommeratmosphäre zündete Frankreichs Regierungschef Jean Pierre Raffarin noch schnell eine Bombe: Bei einer Feier zum 50. Jahrestag der konservativen Europäischen Volkspartei sagte er im Straßburger Europarat, Frankreich sei „auf seinem Weg zum Paradies noch im Fegefeuer, weil es ja immer noch die Sozialisten gibt“.

Zuhörer wie Raffarin legten diese Äußerung im Fach Schlagfertigkeit ab. Niemand regte sich auf. Die Sozialisten aber nahmen’s krumm. Sehr krumm. Sie ließen die zeitgleich in Paris laufende Parlamentsdebatte zur Rentenreform abbrechen, zogen sich zu Krisengesprächen zurück, forderten Raffarin auf, sich öffentlich zu entschuldigen und Staatspräsident Jacques Chirac, sich von seinem Premierminister zu distanzieren. Raffarin hat inzwischen sein Bedauern geäußertet und betont, er habe niemanden verletzten wollen. Den Sozialisten jedoch kam ein ohnehin wegen der Rentenreform eingebrachtes Misstrauensvotum gerade recht, um ihren Zorn zu zeigen. Es hat ihnen nichts genützt. Es wurde abgelehnt. sah

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