Politik : Parlament in Kairo ohne Liberale

Kairo - Das politische System in Ägypten steuert auf eine schwere Krise zu. Die liberale Wafd-Partei erklärte am Donnerstag, sie wolle im Parlament nicht mehr vertreten sein, weil die regierende Nationaldemokratische Partei (NDP) die Ergebnisse der ersten Runde der Parlamentswahl am vergangenen Sonntag manipuliert habe. Die traditionsreiche bürgerliche Partei will nicht nur die Stichwahl am Sonntag boykottieren, sondern auch ihre zwei Abgeordneten, die im ersten Wahlgang gewählt worden waren, aus dem Parlament abziehen. „Sollten die beiden Kandidaten die Wahl gegen den Willen der Partei annehmen, dann sitzen sie als Unabhängige im Parlament“, sagte ein Sprecher.

Bei der ersten Runde hatte die NDP von Präsident Hosni Mubarak 209 der insgesamt 508 Mandate erhalten. Die Wafd-Partei bekam zwei Sitze. Drei weitere Parteien sicherten sich jeweils ein Mandat. Außerdem siegten sieben unabhängige Kandidaten und vier Mitglieder der NDP, die kandidiert hatten, obwohl sie von den Parteigremien nicht nominiert worden waren. Die Muslimbrüder, die im Parlament zuletzt mit 88 Abgeordneten die größte Fraktion gestellt hatten, gingen diesmal ganz leer aus. Sie hätten im zweiten Wahlgang in 27 Bezirken erneut antreten können, entschieden sich aber am Mittwoch auch für einen Boykott der Stichwahl. dpa

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