Parlamentswahl : 700 Millionen Inder wählen - in fünf Schritten

Die größte Demokratie der Welt hat am Donnerstag mit der Marathon-Wahl eines neuen Parlaments begonnen. Der Auftakt der Wahl, die sich über fünf Etappen bis zum 13. Mai zieht, wurde von einem Anschlag maoistischer Rebellen überschattet - mindestens elf Menschen starben.

BombayDie Wahllokale in 124 Wahlkreisen im Norden und Osten des Landes öffneten um sieben Uhr (Ortszeit/3.30 Uhr MESZ) und sollten um 17 Uhr schließen. Unter anderem wurde in Teilen der Region Kaschmir an der Grenze zu Pakistan gewählt, in der sich islamistische Rebellen immer wieder Gefechte mit Regierungstruppen liefern. Aus Angst vor Anschlägen werden während der knapp einmonatigen Wahl mehr als zwei Millionen Sicherheitskräfte im ganzen Land bewegt. Insgesamt sind rund 6,1 Millionen Sicherheitskräfte und Wahlbeobachter im Einsatz.

Die National-Demokratische Allianz (NDA), an deren Spitze die hindu-nationalistische BJP steht, fordert die Regierungskoalition (Vereinte Fortschrittsallianz/UPA) heraus, die von Sonia Gandhis Kongress-Partei geführt wird. Umfragen lassen nicht auf einen klaren Sieger schließen.

In den vergangenen Jahren ist der Einfluss der beiden großen Parteien gesunken. Zusammen könnten sie in diesem Jahr weniger als die Hälfte der Stimmen auf sich vereinigen. Eine "Dritte Front" genannte Gruppe von kleinen regionalen Parteien kämpft um eine gute Ausgangsposition für Verhandlungen über eine Koalition. Diese könnte damit schwach und instabil werden, befürchten Experten.

Bereits mehrere Tote am ersten Wahltag

Wahlberechtigt sind insgesamt mehr als 700 Millionen Menschen aus einer Vielzahl von Kasten, Klassen und Regionen. Bei der ersten Teilwahl am Donnerstag können rund 140 Millionen Menschen abstimmen.

Besonders die Wirtschaft fürchtet einen unklaren Ausgang und langwierige Verhandlungen in Hinterzimmern. Viele Investoren fordern schnelle Reformen zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt, um das Wirtschaftswachstum am Leben zu halten und gegenüber China wettbewerbsfähig zu bleiben. Indien hat in der Wirtschaftskrise Millionen Jobs verloren. Andere Herausforderungen sind ein steigendes Haushaltsdefizit und die politischen Spannungen zwischen Indien und dem Erzfeind Pakistan.

6,1 Millionen Sicherheitskräfte und Wahlbeobachter sichern und überwachen die Abstimmung. Schon am ersten Tag gab es gewalttätige Ausschreitungen: Im östlichen Bundesstaat Jharkand starben am Donnerstag sieben Paramilitärs und zwei Zivilisten, als
Rebellen eine Landmine zündeten, wie die Behörden mitteilten. Die Sicherheitskräfte waren demnach auf dem Weg zu einem Wahllokal. Jharkand gilt als Hochburg der maoistischen Rebellen. Im benachbarten Bundesstaat Bihar wurden zwei Paramilitärs erschossen, wie die Nachrichtenagentur PTI meldete. Die Rebellen zündeten demnach im Bezirk Latehar eine Landmine und schossen auf die Einheit, die auf dem Weg zu einem Wahllokal war. In der Nähe waren am Vortag fünf Rebellen und zwei Soldaten bei einem Gefecht getötet worden.

In Indien sind Wahlen immer wieder von Gewalt begleitet gewesen. Das Land blieb auch von Terrorakten nicht verschont. Am Mittwoch hatte der Prozess gegen den einizigen Überlebenden der Bombay-Attentäter begonen. (sba/rtr/dpa/AFP)

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