Parlamentswahl im Irak : Anschläge überschatten Wahl - Al-Maliki feiert sich als Sieger

Wer im Irak zur Wahl geht, riskiert sein Leben. Denn islamistische Terroristen versuchen mit Gewalt, die Abstimmung zu verhindern. Nur die Politiker können ohne Risiko wählen - in Bagdads Sicherheitszone.

Die Wahlkabinen im Irak haben geschlossen, nun werden die Stimmen ausgezählt. Ergebnisse werden aber nicht vor Mitte Mai erwartet.
Die Wahlkabinen im Irak haben geschlossen, nun werden die Stimmen ausgezählt. Ergebnisse werden aber nicht vor Mitte Mai erwartet.Foto: dpa

Bei der Parlamentswahl im Irak haben militante Islamisten an zahlreichen Orten Wähler mit Sprengstoffanschlägen und Mörserattacken terrorisiert. Landesweit kamen am Mittwoch mindestens 26 Menschen ums Leben, darunter zwei Selbstmordattentäter. Es war die erste Wahl in dem instabilen Land seit dem Abzug der US-Armee Ende 2011. Ministerpräsident Nuri al-Maliki gab sich bei der Stimmabgabe in der gut geschützten Grünen Zone von Bagdad siegesgewiss.

Die Wahlbeteiligung in den Konfliktregionen im Westen des Landes und nördlich von Bagdad war niedriger als in Bagdad und in den schiitischen Süd-Provinzen. Dort waren die Wahllokale nach Einschätzung von Beobachtern besser gesichert worden. Die Wahlkommission teilte mit, 39 der insgesamt 8075 Wahllokale seien wegen der schwierigen Sicherheitslage nicht geöffnet worden. Bis zum Nachmittag gaben etwa 40 Prozent der Wähler ihre Stimmzettel ab. Nach elf Stunden wurden die Wahllokale um 18.00 Uhr Ortszeit geschlossen.

Der schiitische Regierungschef Al-Maliki sagte in Bagdad: „Unser Sieg ist sicher, und wir werden eine Koalition mit jedem bilden, der einen vereinigten Irak will.“ Wegen der jüngsten Eskalation der Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten steht Al-Maliki inzwischen auch bei schiitischen Politikern in der Kritik.

Mehrere Anschläge rissen Wähler und Polizisten in den Tod

Die wichtigsten Herausforderer von Al-Malikis Rechtsstaat-Bündnis sind die ebenfalls von religiösen Schiiten-Parteien dominierten Allianzen Al-Muwatin und Al-Ahrar. Zu den Kontrahenten zählen auch die Mutahidun-Liste des sunnitischen Parlamentspräsidenten Osama al-Nudschaifi und der Al-Watanija-Block. Der Al-Watanija-Vorsitzende Ijad Allawi, ein säkularer Schiit, hatte mit seiner alten Al-Irakija-Allianz bei der Parlamentswahl 2010 mehr Stimmen als Al-Malikis Bündnis.

Ein Selbstmordattentäter riss vor einem Wahllokal in der Stadt Baidschi einen Polizisten und drei Zivilisten mit in den Tod. Nach Angaben der Polizei wurden vier weitere Beamte sowie 14 Wähler verletzt. Im Bezirk Al-Dibs nordwestlich von Kirkuk starben zwei Frauen, als ein Sprengsatz neben einer Gruppe von Wählern detonierte.

In derselben Region wurden zwei Mitarbeiter der Wahlkommission bei der Explosion einer Bombe am Straßenrand getötet. Ein Journalist wurde bei einer Schießerei schwer verletzt.

In der Provinzhauptstadt Mossul starb ebenfalls ein Mitarbeiter der Wahlkommission, als zwei Sprengsätze neben einem Wahllokal explodierten. Im Bezirk Al-Hadhr töte die Polizei drei bewaffnete Männer, als diese versuchten, ein Wahllokal anzugreifen. In Mossul wurde ein Selbstmordattentäter erschossen, bevor er seinen Sprengstoffgürtel vor einem Wahllokal zünden konnte. In zwei Dörfern am westlichen Stadtrand drohten Bewaffnete, jeden umzubringen, der zur Wahl gehen sollte.

Erste Ergebnisse werden Donnerstag erwartet

Wie die Nachrichtenagentur Sumeria News meldete, starben in Ramadi zwei Menschen, als Granaten ein Wahllokal trafen. Weitere Anschläge auf Wahllokale wurden aus Kirkuk, Samarra und aus der Provinz Dijala gemeldet. In Bagdad und in einigen Provinzen galt ein Fahrverbot. Auch die Flughäfen wurden gesperrt. Damit sollten Autobomben-Anschläge verhindert werden.

Die mehr als 20 Millionen Wähler sollen 328 Abgeordnete für das Parlament bestimmen. Die meisten der 9032 Kandidaten gehören Parteien an, die bestimmte ethnische oder religiöse Gruppen vertreten. Erste Ergebnisse werden für Donnerstag erwartet. Das Endergebnis will die Wahlkommission spätestens in zwei Wochen bekanntgeben. (dpa)

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