Parlamentswahl : Konservative in Kanada erneut stärkste Kraft

Alles beim Alten: Kanadas konservativer Premierminister Stephen Harper ist als Sieger aus den vorgezogenen Parlamentswahlen hervorgegangen, muss aber wieder eine Minderheitsregierung bilden.

Stephen Harper
Alter, neuer Sieger: Stephen Harper. -Foto: dpa

MontréalHarpers konservative Regierungspartei errang laut den vorläufigen Endergebnissen vom Dienstag (Ortszeit) 143 Sitze. Die oppositionellen Liberalen verloren deutlich und entsenden demnach 76 Abgeordnete ins Parlament. Die Wähler hätten die Regierung mit einem "gestärkten Mandat" ausgestattet, um das Land in der weltweiten Finanzkrise zu führen, sagte Harper, der seit 2006 an der Spitze einer Minderheitsregierung steht.

Nach der Finanzkrise sei Kanada "stärker als je zuvor"

Er versichere den Kanadiern, dass die Finanzkrise gemeinsam bewältigt und die Wirtschaft des Landes "stärker als je zuvor" daraus hervorgehen werde, sagte Harper. Seine Konservative Partei gewann den vorläufigen Endergebnissen zufolge 16 Sitze hinzu, verfehlte jedoch weiterhin die absolute Mehrheit von 155 Abgeordneten. Harper hatte die vorzeitige Auflösung des Parlaments Anfang September selbst veranlasst. Zur Begründung nannte er eine "Blockadepolitik" der Opposition gegen seine seit Anfang 2006 amtierende Minderheitsregierung.

Die Liberalen von Oppositionsführer Stephane Dion mussten eine herbe Niederlage einstecken. Die Partei rutschte von 95 auf 76 Sitze ab und fuhr das schlechteste Ergebnis seit 24 Jahren ein. Er sei von den Wählern damit beauftragt worden, die Opposition anzuführen, sagte Dion, der einen Rücktritt nach dem Wahldebakel zurückwies. Seine Partei werde im Kampf gegen die Auswirkungen der Finanzkrise mit der Regierung zusammenarbeiten. Die Krise sei derzeit die größte Herausforderung für Kanada.

Die Grünen schafften es nicht ins Parlament

Die Sozialdemokraten von der Neuen Demokratischen Partei (NDP) und der für die Unabhängigkeit Québecs eintretende, ebenfalls sozialdemokratisch ausgerichtete Bloc québécois entsenden 37 und 50 Abgeordnete ins Parlament. Die Grünen sammelten zwar knapp eine Million Wählerstimmen, konnten aufgrund des Wahlrechts aber keine Abgeordnetenmandate erringen.

Die Wahl war von den weltweiten Turbulenzen in der Finanzbranche überschattet gewesen. Während die Menschen im nördlichen Nachbarland der USA zunehmend verunsichert waren, erklärte Harper, "als Folge all dieser Panik" ergäben sich derzeit auf dem Aktienmarkt einige großartige Kaufgelegenheiten. Daraufhin war ein Sturm der Entrüstung durchs Land gegangen. Die Wahlbeteiligung war bei der dritten Parlamentswahl innerhalb von vier Jahren mit rund 58 Prozent so niedrig wie noch nie seit Gründung Kanadas vor mehr als 140 Jahren. (sba/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben