Parlamentswahlen in Frankreich : 7639 Kandidaten für 577 Sitze

Am 10. und am 17. Juni finden die Parlamentswahlen in Frankreich statt. Nach dem Prinzip des Mehrheitswahlrechts haben es kleine Parteien schwer in die Nationalversammlung einzuziehen.

Paris - Bei den französischen Parlamentswahlen am 10. und 17. Juni bewerben sich 7639 Kandidaten für die 577 Sitze in der Nationalversammlung. Dies sind rund 800 Bewerber weniger als bei der Wahl vor fünf Jahren. Jeder Parlamentssitz entspricht einem Wahlkreis, von denen 22 in den Übersee-Gebieten liegen. Die Entscheidung ist in einem oder zwei Wahlgängen möglich: Ein Kandidat ist bereits im ersten Durchgang gewählt, wenn er über 50 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt und mehr als ein Viertel der eingeschriebenen Wähler teilgenommen haben.

Ist dies nicht der Fall, gibt es eine Woche später eine zweite Runde. An ihr können alle Kandidaten teilnehmen, die über 12,5 Prozent der Wahlberechtigten gekommen sind. Hier wird Abgeordneter des Wahlkreises, wer die meisten Stimmen auf sich vereinen kann. In der Praxis stehen sich in der zweiten Runde mindestens zwei, manchmal sogar drei oder vier Kandidaten gegenüber. Die Drei- oder Vierkämpfe sind oft Gegenstand politischer Absprachen zwischen verbündeten Parteien, die Bewerber zu Gunsten "befreundeter" Kandidaten zurückziehen können.

Alles oder Nichts

  Anders als in Deutschland, wo die Hälfte der Bundestagsmandate proportional nach den Zweitstimmen für die Parteien ermittelt wird, gilt in Frankreich ausschließlich das Mehrheitswahlrecht, also ein Alles-oder-Nichts-Prinzip. Ins Parlament kommt nur der Gewinner in jedem Wahlkreis. Dies erschwert kleinen Parteien den Einzug in die Nationalversammlung erheblich.

Sie nutzen deshalb teils Bündnisse mit der bürgerlichen Regierungspartei UMP oder den Sozialisten als größter Oppositionspartei. Dabei lassen sich die kleinen Parteien zusichern, dass die Partner ihnen in bestimmten Wahlkreisen den Sieg ermöglichen. Der rechtsextremen Partei Front National (FN) fehlt ein solcher "Gönner". Sie schaffte es in der Fünften Republik nur einmal ins Parlament, als 1986 bis 1988 vorübergehend ein Verhältniswahlrecht galt. (Mit AFP)

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