Parlamentswahlen : Verluste für Schweizer Rechtspopulisten

23.10.2011 20:48 UhrVon Jan Dirk Herbermann

Die gegen Ausländer polemisierende SVP bleibt bei den Schweizer Parlamentswahlen stärkste Kraft, muss laut Hochrechnungen jedoch Verluste verkraften. Zulegen konnten die Grünliberalen.

Die rechtsnationale Schweizerische Volkspartei (SVP) bleibt klar die stärkste politische Kraft in der Eidgenossenschaft. Bei den Parlamentswahlen musste die SVP am Sonntag laut Hochrechnungen jedoch Verluste verkraften. Die erfolgreichste rechtspopulistische Partei Europas kam auf knapp 27 Prozent der Wählerstimmen, im Jahr 2007 fuhr die SVP noch 29 Prozent ein. Damit ist der Höhenflug der antieuropäischen SVP vorläufig gestoppt. Seit Mitte der neunziger Jahre hatte die Truppe um den Zürcher Milliardär Christoph Blocher bei Wahlen zugelegt. Auf die lauten und polarisierenden SVP-Kampagnen fanden die anderen Parteien kaum eine passende Antwort.

Die Sozialdemokraten (SP) bleiben den Hochrechnungen zufolge zweitstärkste Partei (rund 19 Prozent). Dahinter folgen die Freisinnigen (FDP) mit 15 Prozent, die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) mit mehr als 12 Prozent und die Grünen (rund acht Prozent). SP, Freisinnige, CVP und Grüne erlitten Einbußen. Als Gewinner präsentierten sich die Grünliberalen und die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP), die erstmals antraten. Beide holten über fünf Prozent. Die Grünliberalen wollen in ihrer Politik ökologische Elemente mit bürgerlichen Positionen vereinen. Die BDP steuert einen konservativen Kurs, sie distanziert sich aber von der populistischen SVP.

Kurz nach den Wahlen entbrannte bereits der Kampf um die sieben Sitze in der Regierung, dem Bundesrat. Toni Brunner, SVP-Präsident und Blocher-Vertrauter, meldete den Anspruch auf zwei Sitze für seine Partei an.

Im aktuellen Bundesrat stellen die Freisinnigen und die Sozialdemokraten jeweils zwei Bundesräte. Jeweils ein Bundesrat gehört der CVP, der SVP und der BDP an. Beobachter rechnen damit, dass die kleine BDP ihren Sitz im Kabinett räumen muss.

Das neue Parlament, es besteht aus dem Nationalrat mit 200 Abgeordneten und dem Ständerat mit 46 Vertretern, wird im Dezember die neue Regierung bestimmen.

Jahrzehntelang teilten sich die vier großen Parteien, die Freisinnigen, die Sozialdemokraten, die Christlichdemokratische Volkspartei und die SVP die Sitze im Bundesrat einvernehmlich auf. 

Die großen politischen Entscheidungen fällen in der Schweiz die Stimmbürger aber selbst an der Urne – die Regierung verfügt nicht über eine so starke Position wie etwa in Deutschland.

Dass aber auch das Schweizer System für dramatische Wendungen gut ist, zeigte sich vor vier Jahren. Nach den Parlamentswahlen 2007 traten Nationalrat und Ständerat zur Wahl der Bundesräte zusammen. Eines der ungeschriebenen Gesetze der Schweizer Konkordanz lautet: Jede Partei benennt die Kandidaten für ihre Sitze im Bundesrat. Die anderen Parteien stimmen dem Vorschlag zu. Bei der Abstimmung vor vier Jahren hielt sich das Parlament aber nicht an die traditionelle Prozedur. Die Abgeordneten verwehrten dem damaligen Justizminister Christoph Blocher die Wiederwahl. Als Folge der Blocher-Schlappe spaltete sich die Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) von der SVP ab.

Die SVP führte in den vergangenen Wochen einen schrillen Wahlkampf, sie schürte die Ängste der Eidgenossen. Vor allem nahmen die SVP-Strategen die EU und die sogenannten Masseneinwanderer ins Visier. Die Botschaft der Nationalkonservativen war simpel: Nur wir können verhindern, dass die EU die Schweiz politisch und wirtschaftlich erdrückt. Nur wir können verhindern, dass die Massenweinwanderer den Wohlstand in der Schweiz gefährden.

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite