Politik : Parteichef Bersani Kandidat von Mitte-links in Italien

Rom/Berlin - Pierluigi Bersani, der Chef der mitte-linken Demokratischen Partei Italiens (PD), ist Spitzenkandidat für die Parlamentswahl im nächsten Jahr. In der Stichwahl am Sonntag setzte sich Bersani wie erwartet klar gegen seinen Herausforderer durch, den Bürgermeister von Florenz Matteo Renzi. Nach Auszählung von mehr als Dreiviertel der Stimmen (Stand 22.30 Uhr) lag Bersani bei 60,8 und Renzi bei 39,1 Prozent. Schon 20 Minuten nach Schließung der Wahllokale hatte Renzi seine Niederlage eingestanden: Bersani habe klar gesiegt, aber „es war richtig, es zu probieren“, twitterte er. Nur 150 000 oder 16,5 Prozent weniger Anhänger der Linken hatten in der zweiten Runde mitgewählt.

In der ersten Runde der Urwahl vor einer Woche hatte der 61-jährige Parteichef bereits 44,9 Prozent erhalten; der erst 37-jährige Renzi kam auf 35,5 Prozent, gefolgt vom linken Präsident der Region Apulien, Nichi Vendola (15,6 Prozent). Die beiden anderen Kandidaten, Bruno Tabacci, und die einzige Frau im Rennen, Laura Puppato, landeten weit abgeschlagen.

Während Bersani bereits zwei Mal Minister war, war Renzi bislang nur auf kommunaler Ebene tätig. Unabhängig vom Ausgang der Stichwahl gilt Renzi aber als neuer Stern der Partei. Der toskanische Jurist gilt vielen in der Wählerschaft des Mitte-Links-Lagers allerdings als weniger links denn neoliberal. Renzi, der als „Verschrotter“ („rottamatore“) der alten Partei-Eliten auftritt, war früher Funktionär des PPI und der „Margherita“ in Florenz, beides Heimstätten der katholischen „Gemäßigten“ des Anti-Berlusconi-Lagers, die später im PD aufgingen.

Da der PD derzeit in Umfragen auf rund 30 Prozent kommt, hat ihr Spitzenkandidat gute Chancen, Ministerpräsident zu werden. Allerdings müsste die PD, selbst ein Zusammenschluss kleiner linker, grüner und zentristischer Gruppen, zum Regieren eine Koalition mit anderen Parteien eingehen.ade/AFP

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