Politik : Parteiloser wird Oberbürgermeister in Rostock

Andreas Frost

Rostock - Mit einem typischen PDS-Slogan hat der parteilose Roland Methling die Oberbürgermeisterwahl in Rostock gewonnen. Als „Einer von hier“ hatte er sich im Wahlkampf präsentiert und fuhr damit gestern 58,2 Prozent der Stimmen ein. Rostock mit seinen rund 200 000 Einwohnern wird damit die größte deutsche Stadt, in der ein Parteiloser regiert. Die „Wessi“-Kandidaten der übrigen Parteien hatten das Nachsehen. Sebastian Schröder (SPD) kam auf 19,1 Prozent der Stimmen, Ida Schillen (parteilos für die PDS) auf 12,9 Prozent und Dieter Schörken (CDU) auf 7,6 Prozent. Sie alle stammen ursprünglich aus den alten Bundesländern. Außerdem waren sie oder sind noch als Senatoren der Stadt für die Politik der vergangenen Jahre mitverantwortlich.

Methling (nicht verwandt mit Schwerins Umweltminister Wolfgang Methling) ist eingefleischter Rostocker und seit 15 Jahren Organisator des alljährlichen Großseglertreffens „Hanse Sail“. Der 50-Jährige zeigte sich „überwältigt“ von dem klaren Ergebnis. Das gibt ihm offenbar Recht mit der Einschätzung, dass die Rostocker von den etablierten Parteien derzeit nicht viel wissen wollen.

Sein Wahlprogramm mit leicht konservativer Ausrichtung hatte für fast jeden etwas zu bieten. Besonders aber warb er mit dem Versprechen, die Stadtpolitik transparenter zu gestalten. Diese Transparenz haben viele Rostocker offenbar nicht nur bei Oberbürgermeister Arno Pöker (SPD) vermisst, der im vergangenen Herbst vorzeitig zurücktrat, als ihm die Mehrheit in der Bürgerschaft aus CDU und PDS mit Abwahl drohte. Auch die einstige Berliner Bündnisgrüne Ida Schillen hatte sich für die Wahl mehr ausgerechnet. Nach Pökers Rücktritt war die Kultursenatorin vorübergehend Oberbürgermeisterin. Doch ihre Konkurrenz wählte sie von diesem Posten ab, weil sie angeblich ihr Amt zu sehr für ihren Wahlkampf nutzte. Mit Schillen und Finanzsenator Schröder muss Methling nun an der Stadtspitze zusammenarbeiten.

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