Parteitag : Clinton: "Obama ist mein Kandidat"

US-Senatorin Hillary Clinton hat mit einer leidenschaftlichen Rede die demokratische Partei zur Geschlossenheit und ungeteilten Unterstützung des designierten Präsidentschaftskandidaten Barack Obama aufgerufen. Sein Konkurrent John McCain wurde auf dem Parteitag scharf attackiert.

Denver"Es ist Zeit für uns, unser Land, das wir lieben, wieder zurückzuerobern, egal ob ihr für mich gestimmt habt oder für Barack", betonte Clinton am Dienstagabend auf dem Parteitag in Denver im US-Bundesstaat Colorado. Der zweite Tag der Convention war bestimmt von scharfen Angriffen demokratischer Spitzenpolitiker auf den republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain.

"Es ist Zeit, einig zu sein als eine Partei mit einem Anliegen und als ein Team", sagte Clinton, die bei den Vorwahlen Obama knapp unterlegen war. Nach acht Jahren "gescheiterter Führung" brauche Amerika dringend eine neue Politik mit einem Demokraten im Weißen Haus. Obama "ist mein Kandidat und er muss Präsident werden", betonte die Ex-First Lady immer wieder. Sie sei "eine stolze Unterstützerin von Barack Obama". Nun sei die Zeit gekommen, "für unsere Zukunft zu kämpfen, und es ist ein Kampf, den wir gewinnen müssen".

Clinton-Anhänger wollen Obama Stimme verweigern

Mit ihrer kämpferischen Rede, die immer wieder von Beifall und Jubel unterbrochen wurde, ließ Hillary Clinton keinen Zweifel an ihrer uneingeschränkten Unterstützung Obamas. Die Führung der Demokraten sorgt sich um die Geschlossenheit der Partei, da viele Anhänger Clintons wegen der knappen Vorwahlniederlage und der Wahl von Joe Biden als Vize-Kanididat Obamas tief enttäuscht sind. Ein Teil der Clinton-Anhänger will Umfragen zufolge Obama bei der Präsidentschaftswahl die Stimme verweigern. Auch nach der Rede Clintons zeigte das US-Fernsehen weinende Clinton-Anhängerinnen, die ihre Bitterkeit nicht verbargen. "Sie hat heute wieder gezeigt, welch eine große Präsidentin sie geworden wäre", sagte eine in Tränen aufgelöste Delegierte dem Sender CNN.

Während der erste Tag mit den Auftritten des schwer kranken Senators Edward Kennedy und der Ehefrau Obamas, Michelle, vor allem von Emotionen geprägt war, wurde der zweite Tag des Parteitags von heftigen Angriffen auf McCain dominiert. "Es ist Zeit, wieder Jobs zu schaffen und unsere Truppen nach Hause zu bringen", sagte der Gouverneur von Ohio, Ted Strickland. McCain werde lediglich die verfehlte Politik von US-Präsident George W. Bush fortsetzen, meinte der Ex-Gouverneur von Virginia, Mark Warner. "Wir brauchen keine Präsidenten, der der Vergangenheit verhaftet ist", betonte Warner, der die Grundsatzrede des Parteitags hielt. McCain verspreche nur "mehr vom Gleichen".

"Amerika, wach auf!"

Amerika könne sich nicht vier weitere Jahre von explodierenden Etatdefiziten, monatlichen Ausgaben von zehn Milliarden Dollar (6,8 Milliarden Euro) im Irak und Untätigkeit im Kampf gegen die globale Erwärmung leisten, so Warner. McCain sei nicht der politische Einzelgänger, als den er sich selbst beschreibe, sondern eher "ein Handlanger" von Präsident Bush, meinte der Senator von Pennsylvania, Bob Casey. McCain habe im Senat zu 95 Prozent zugunsten des Präsidenten gestimmt. Das sage alles über seine politische Unabhängigkeit.

Der Abgeordnete Dennis Kucinich riss mit einer kämpferischen Rede die rund 5000 Delegierten in der Sporthalle mit. Seit dem Amtsantritt Bushs hätten die Ölkonzerne, die Kriegsindustrie und die Neokonservativen die Macht in Washington übernommen. Millionen Amerikaner hätten ihre Arbeitsplätze verloren, ihre Häuser und ihre Krankenversicherung. "Amerika, wach auf!", rief Kucinich den begeisterten Delegierten zu.

Für den Mittwoch war die Abstimmung über die Nominierung des Präsidentschaftskandidaten vorgesehen. Auch die Clinton-Anhänger sollen ihre Stimme abgeben, die aber dann vermutlich symbolisch Obama übergeben werden sollen. Über den genauen Ablauf der Wahl gab es bis zuletzt Unklarheiten. Hauptredner sollen am Mittwoch Ex-Präsident Bill Clinton und Joe Biden sein. Am Donnerstagabend will Obama dann im Football-Stadion von Denver vor über 75 000 Menschen die Nominierung seiner Partei offiziell annehmen. (imo/dpa)

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