Parteitag der US-Demokraten : Angriff ist die beste Hillary-Verteidigung

Loblieder auf Hillary Clinton reichen nicht. Mit harten Attacken auf Donald Trump dominieren Barack Obama, Joe Biden und Tim Kaine den dritten Tag der Convention.

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Barack Obama und Hillary Clinton sind jetzt eine Schicksalsgemeinschaft.
Barack Obama und Hillary Clinton sind jetzt eine Schicksalsgemeinschaft.Foto: Peter Foley / dpa

Die Saison heißt nicht zufällig Wahl-Kampf. Zwei Tage lang hatten sich die Demokraten bei ihrem Parteitreffen vor allem um die Versöhnung zwischen Clinton- und Sanders-Anhängern gekümmert und Loblieder auf Hillary gesungen, ihre Präsidentschaftskandidatin. Der Name Donald Trump war selten gefallen.

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Historische Nominierung für Hillary Clinton
Historische Nominierung für Hillary Clinton

Trump bittet Russland um Hilfe

Am Mittwoch besinnen sie sich auf die dritte unverzichtbare Bedingung für Wahlsiege neben der Einheit und der Überzeugung, das bessere Personalangebot zu machen: auf die Kampfbereitschaft. In der Disziplin hat sich Trump einen beträchtlichen Vorsprung erarbeitet und scheut auch vor riskanten Grenzüberschreitungen nicht zurück. Am Mittwoch fragte er scheinheilig, ob Russland vielleicht helfen könne, die 30.000 Emails wieder zu beschaffen, die aus Hillary Clintons Zeit als Außenministerin fehlen? Die Demokraten reagierten empört. Zum ersten Mal habe ein Präsidentschaftskandidat eine feindliche Macht dazu aufgerufen, sich in den Wahlkampf der USA einzumischen und das Computersystems einer Gegenkandidatin zu hacken.

Nun besinnen sich auch die Demokraten auf die Devise, dass Angriff die beste Verteidigung sei. Vizepräsident Joe Biden, der wohl von allen Spitzendemokraten den besten Draht zu weißen Arbeitern hat, steigt als erster in den Ring. "Ich kenne Hillary seit vielen Jahren: Sie ist für euch da." Trump hingegen habe kein Mitgefühl mit der Mittelklasse. Wie könne überhaupt jemand stolz darauf sein, dass sein bekanntestes Zitat lautet: "You are fired!" Wie kann jemand "Freude dabei empfinden, anderen ins Gesicht zu sagen: You are fired?"

Joe Biden macht die Arena kampflustig

Bidens Kampflust überträgt sich rasch und spürbar auf die Delegierten. Als er fortfährt: "Trump hat keine Ahnung von der Mittelklasse", antworten sie in Sprechchören: "Not a clue, not a clue".

Noch nie habe eine Partei einen Mann nominiert, der so schlecht darauf vorbereitet war, Präsident zu werden. Der so wenig Ahnung von Sicherheit hat. Der an Ängste und schlechte Instinkte appelliert. "Einen Mann, der unsere Alliierten im Stich lassen will." Amerika, "das darf nicht passieren, dass so einer Präsident wird", donnert Biden. Amerika ist "nicht nur die größte, sondern auch die stärkste Volkswirtschaft - second to none", attackiert der Vizepräsident Trumps Behauptung vom Niedergang der Nation.

Bloomberg appelliert an die Independents

Ein ungewöhnlicher Kronzeuge folgt: Michael Bloomberg, Milliardär, dreimaliger Bürgermeister von New York - und schon lange kein Demokrat mehr. Er werde "eine unkonventionelle Convention-Rede" halten, kündigt Bloomberg an. Er wendet sich an die "Independents", die nicht-parteigebundenen Bürger an den Fernsehgeräten. "Ich will erklären, warum wir Hillary Clinton wählen müssen - um unseres Landes willen! Wir müssen einen gefährlichen Demagogen besiegen."

Ein Präsident muss "Probleme lösen, nicht Bomben werfen". Ein Präsident muss Menschen zusammen führen. Bloomberg teilt kräftig aus: "Als New Yorker erkenne ich einen Betrüger von weitem." Trump sage, er wolle das Land führen, wie er seine Firma geführt hat? "Davor bewahre uns Gott!" Trump habe eine unübersehbare Spur von Bankrott, Rechtsklagen, Handwerkern, die nicht bezahlt wurden, und Geschäftspartnern, die sich betrogen fühlen, hinterlassen.

In diesem Jahr gehe es nicht um die Wahl zwischen einem Republikaner oder einem Demokraten. "Lasst uns eine gesunde, eine kompetente Person mit internationaler Erfahrung wählen, die Menschen zusammenführt: Hillary Clinton", appelliert Bloomberg. Auf Trump trifft die Jobanforderungen in seinen Augen offenkundig nicht zu. 

Tim Kaine wirbt auf Spanisch um Latino-Stimmen

Tim Kaine, der Vizepräsidentschaftskandidat, beginnt in sanfterem Ton. Er muss sich dem Land erst einmal vorstellen. Außerhalb Virginias, wo er Gouverneur war und das er jetzt im Senat vertritt, kennen ihn nicht viele. Doch so wie er seine Biografie erzählt, wird der Kontrast zu Trump schnell klar. Er stamme aus dem Mittleren Westen, habe als katholischer Entwicklungshelfer in Honduras gearbeitet und dort Spanisch gelernt. Danach habe er sich als Rechtsanwalt um Bürgerrechte und Mieterfragen gekümmert.

Sein Sohn, der bei den US-Marines dient, sei gerade mit seiner Einheit nach Europa verlegt worden, "um die Nato-Verbündeten zu schützen, die Donald Trump im Stich lassen möchte". Immer wieder lässt er spanische Sätze einfließen, um die Latinos, die größte Minderheit, für Hillary zu gewinnen. "Fe, familia y

trabajo" - Glaube, Familie und Arbeit seien die Grundwerte, das hat er in Honduras gelernt. "Somos todos Americanos" - wir sind alle Amerikaner - setzt er Trumps Beleidigungen entgegen. Der hatte behauptet, dass unter den Zuwanderern aus dem Süden viele Kriminelle und Vergewaltiger seien.

Aber auch Kaine wendet sich an die Wechselwähler. "Mein Schwiegervater ist Republikaner. In diesen Tagen stimmt er aber häufig für Demokraten. Denn eine Partei, die Donald Trump nominiert, hat sich zu weit entfernt von den Idealen seiner Partei, der Partei Lincolns." Der republikanische Präsidenten Lincoln hatte die Sklaverei beendet. 

Der Vize äfft Trumps Redeweise nach

Kaine reißt nicht durch ausgefeilte Rhetorik mit. Aber er hat das Herz auf dem richtigen Fleck. Und er weiß, wie man Menschen einbindet. Er lobt Bernie Sanders und erntet Beifall von dessen Anhängern. Er appelliert an die Soldatenmütter: "Wenn es um das Leben meines Sohnes geht, vertraue ich Hillary Clinton." Auch schwarze Mütter vertrauen Hillary, wenn es um ihre Söhne geht", nimmt er die Sorgen vor Polizeigewalt auf.

"Es gibt auch Menschen, denen ich nicht vertraue." Nun imitiert Tim Kaine mehrfach Trumps Sprechweise. "Glaubt mir, ich werde eine Mauer bauen und Mexiko wird sie bezahlen." - "Wir sollen ihm glauben?" Trump mache lauter großartige Versprechen, sage aber nie, wie er sie erreichen will. Nur: "Believe me!" Das sage er auch, wenn er nach seinen Steuererklärungen gefragt wird, sie aber nicht veröffentlichen will, wie es andere Kandidaten tun. Da gebe es nichts zu entdecken, behauptet Trump - "believe me!" Kaine fragt: "Glaubt ihr, dass er seinen fairen Anteil an Steuern bezahlt hat?" - "No!" schallt es aus der Arena. "Wer ihm vertraute, hat es bereut.", schließt Kaine. "Ihr könnt nicht ein Wort glauben, dass aus Trumps Mund kommt." Und wieder folgen Sprechchöre: "Not one word, not one word."

Barack Obama kämpft um sein Erbe

Der Hauptredner an diesem Abend ist Barack Obama. Er wird mit einem ausführlichen Video seiner Präsidentschaft eingeführt, als gehe es um seine dritte Amtszeit. Und ein bisschen Wahres ist ja auch daran. Erstens würde ein republikanischer Präsident einen Teil des Obama-Erbes rückgängig zu machen versuchen. Hillary Clinton würde es bewahren. Zweitens ist Barack Obama am Ende seiner zweiten Amtszeit ziemlich beliebt. Seine Popularität kann ihr beim Sieg helfen.

Obama setzt Trumps Behauptung, dass Amerika auf der Verliererseite sei, eine hoffnungsvolle Botschaft entgegen. Viel sei geschehen, seit er 2004 in Boston erstmals auf einem Parteitag gesprochen hat. "Amerika wurde getestet durch Kriege und durch Rezession. Und doch sage ich euch: Ich bin zuversichtlicher für die Zukunft Amerikas als je zuvor. Wir haben so vieles gemeinsam bestanden." Heute haben mehr Amerikaner Jobs als je zuvor. Die Wirtschaft wächst. "Wir produzieren saubere Energie, wir haben unsere Truppen heimgeholt, Irans Atomprogramm durch Diplomatie unter Kontrolle gebracht, die Beziehungen zu Kuba erneuert, die Zahl der Obdachlosen halbiert."

Er wolle nicht idealisieren. "Wandel ist nicht einfach und nicht rasch zu erreichen." Es gebe noch viel zu tun, damit "alle ihre Chance bekommen, damit unsere Straßen sicherer werden und wir das Verfassungsversprechen erfüllen, dass alle mit gleichen Rechten geboren sind." Hillary wisse das.

Trump setzt auf Zorn, Obama auf Zusammenhalt

"Dies ist keine gewöhnliche Wahl", leitet Obama zum Angriff über. "Wir hatten immer unsere Meinungsverschiedenheiten mit den Republikanern. Daran ist nichts falsch. Der Wettbewerb der Ideen bringt unser Land voran. Aber was wir vergangene Woche in Cleveland hörten, war Pessimismus, Angst und Zorn." 

Das sei nicht Amerika, Amerikaner sind optimistisch. "Wir müssen vieles besser machen. Aber in meinen Reisen durch alle 50 Staaten sehe ich auch, was richtig läuft in Amerika. Vor allem: dass wir stärker sind, wenn wir zusammen stehen." In diesem Wahljahr gebe es nur eine Kandidatin, die das begreift: Hillary Clinton, die nächste Präsidentin.

"Hillary ist besser qualifiziert als ich und als Bill"

"2008 waren wir Rivalen. Und es war hart. Denn sie kämpfte hart. Immer wenn ich glaubte, gesiegt zu haben, schaffte sie ein Comeback." Als Obama Präsident wurde, schlossen sie sich zusammen. "Vier Jahre konnte ich aus nächster Nähe ihre Urteilskraft bewundern." Hillary wisse, was es bedeutet, eine globale Krise zu managen. Sie habe nie vergessen, für wen sie kämpft. "Niemand ist besser qualifiziert, Präsidentin zu werden, auch ich nicht, auch Bill nicht. Sorry, Bill." Tim Kaine als Vize sei eine großartige Wahl. "Er wird Hillary zu einer besseren Präsidentin machen - so wie mein Freund und Bruder Joe Biden mich zu einem besseren Präsidenten gemacht hat."

Trump als Held der Arbeiter? Obama lacht

"Und dann ist da Donald Trump." Er nenne sich Businessman. "Aber ich kenne viele Männer und Frauen, die erfolgreich Geschäfte machen, ohne eine Spur von Gerichtsprozessen, nicht bezahlten Arbeitern und enttäuschten Geschäftspartnern zu hinterlassen." Dieser Mann wolle heute der Champion der Arbeiter sein? Da lacht Obama "Wenn ihr das wirklich glaubt, stimmt für ihn." Besser aber schauen die Bürger nochmal genauer hin.

Donald werde die Wahl verlieren, behauptet Obama. "Weil wir Amerikaner uns keine Angst einjagen lassen. Weil wir Amerikaner uns nicht einem Mann unterwerfen, der sagt, dass nur er die Probleme lösen kann." Im Herbst, das ist Obamas Kernbotschaft, geht es darum: Sie oder er. Und: "Demokratie ist kein Zuschauer-Sport. Ihr müsst mit in die Arena. Ihr müsst mitmachen. Die Formel heißt: Yes, we can. Und nicht: Yes, she can." 

Er reicht den Stab an sie weiter

"Heute Abend bitte ich euch, für Hillary das zu tun, was ihr für mich getan habt. Ich reiche den Stab weiter und werde mich als Bürger engagieren." Der Beifall zeigt, wie sehr die Demokraten an diesem Präsidenten hängen.

Nun kommt Hillary auf die Bühne. Sie umarmen sich lange. Dann gehen sie Hand in Hand an den vorderen Bühnenrand und winken ihren Parteifreunden zu. Sie sind jetzt eine Schicksalsgemeinschaft.

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