Politik : Parteitag der US-Demokraten: Kennedy-Nostalgie und linker Flügel bestimmen das Bild

Robert von Rimscha

Mit Appellen an die idealistischen Traditionen ihrer Partei haben die US-Demokraten am zweiten Tag ihres Wahlparteitages versucht, die Clinton-Jahre als Teil einer andauernden Reform des Gemeinwesens zu präsentieren. Vor allem der linke Parteiflügel kam zu Wort. Ex-Senator Bill Bradley rief zur Wahl Al Gores auf (im Vorwahlkampf war er noch dessen Konkurrent) und meinte: "Unser Land braucht einen demokratischen Präsidenten, einen demokratischen Kongress und vor allem ein demokratisches Bewusstsein."

Bradley erinnerte an die 44 Millionen Amerikaner ohne Krankenversicherung und an die weit verbreitete Kinderarmut, die ein nationales Desaster sei. "Schande über uns, wenn wir sie nicht zu unseren Lebzeiten beenden", so Bradley. Er verlangte eine Reform der Parteienfinanzierung und betonte, der Glaube, das Gute im Menschen mobilisieren zu können, sei nicht naiv. "Wir sind die Partei der Hoffnung und des Wandels!"

Die Betonung des sozialen Gewissens der Demokraten ging einher mit viel Kennedy-Nostalgie. Caroline Kennedy, das einzige überlebende Kind des früheren US-Präsidenten, sagte: "Der Geist meines Vaters ist lebendig!" John F. Kennedy habe Joe Lieberman, den Kandidaten für die Vizepräsidentschaft, in den 60er Jahren dazu motiviert, für die Durchsetzung der Bürgerrechte in die Südstaaten zu fahren und schwarze Wähler zu registrieren. Die "neue Grenze", von der ihr Vater gesprochen habe, sei "eine zeitlose Bestimmung".

Carolines Onkel, Senator Edward Kennedy, rief den Delegierten in Los Angeles zu: "Wie stolz wäre mein Bruder, wenn wir durch die Wahl Joe Liebermans die Barriere der Bigotterie durchbrechen!" John F. Kennedy war der erste Katholik im Weißen Haus. Lieberman ist der erste Jude auf einem Präsidentschafts-"Ticket". Gore sei mit Ausnahme seiner beiden Brüder der erste demokratische Präsidentschaftskandidat, den er früh unterstützt habe. Kennedy mahnte vor allem Defizite in der Gesundheitspolitik an. Er forderte, "aus dem neuen Jahrhundert eine progressive Ära für die Arbeitnehmer Amerikas zu machen". Das Land müsse "wieder wagen, zu träumen".

Zuvor hatte auch der Bürgerrechtler und Ex-Präsidentschaftskandidat Jesse Jackson an die linksliberalen Traditionen der Partei appelliert. Die Demokraten stünden dafür, niemanden zu vergessen. "Wir sind nicht konservativ mit unserem Mitgefühl", formulierte Bradley in Anlehnung an George W. Bushs Motto vom "Compassionate Conservatism".

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