Politik : Parteitag der US-Demokraten: Liebermans Kandidatur als Durchbruch gefeiert

Robert von Rimscha

Die Demokratische Partei der USA hat am Mittwoch die Vize-Präsidentschaftskandidatur Joe Liebermans als Durchbruch für bisher benachteiligte Gruppen gefeiert. Am dritten Abend des Wahlparteitags in Los Angeles sagte Lieberman, ein orthodoxer Jude, vor den 4000 Delegierten: "Jedes Mal, wenn eine Barriere durchbrochen wird, öffnen sich die Türen der Gleichberechtigung für jeden."

Präsidentschaftskandidat Al Gore wurde am Mittwoch offiziell nominiert. Seine Tochter und sein ehemaliger Stubenkamerad am Harvard-College, der Schauspieler Tommy Lee Jones, lobten Gore als einen "guten, mitfühlenden, verantwortungsvollen Mann". Jones bezeichnete Gore als "den Bruder, den ich nie hatte".

Lieberman stellte bei seinem ersten großen Auftritt vor einem landesweiten Publikum vier Unterschiede zu den Republikanern in den Vordergrund. In den Bereichen Umweltschutz, Gesundheitspolitik, Bildung und bei der Frage der Verwendung des Haushaltsüberschusses führe die Partei von George W. Bush in die falsche Richtung. Lieberman griff vor allem Bushs Leistungen als Gouverneur von Texas an. "Es freut mich ja, dass die Republikaner ihre Rhetorik geändert haben", meinte Lieberman. "Ich wünschte mir aber, sie würden auch ihre Politik aendern!"

In Anspielung auf den Parteitag der Republikaner vor zwei Wochen in Philadelphia und auf den nach der Stadt benannten Hollywood-Film über Aids meinte Lieberman: "Seit Tom Hanks einen Oscar gewonnen hat, gab es nicht mehr so viel Schauspielerei in Philadelphia!" Die Delegierten quittierten den Spruch mit donnerndem Applaus. Lieberman, ein zentristischer Senator aus dem kleinen Neuengland-Staat Connecticut, verzichtete indes auf persönliche Attacken auf den politischen Gegner und räumte ein: "Unsere Opponenten sind liebenswerte und anständige Menschen."

Lieberman blieb auch seinem Lieblingsthema, der Kritik an zu viel Sex und Gewalt in der Unterhaltungsindustrie, treu und rief: "Eltern sollten niemals mit der Populärkultur konkurrieren müssen, wenn es um die Erziehung ihrer Kinder geht." Unter Bezug auf das Wahlmotto John F. Kennedys sagte Lieberman, die "nächste neue Grenze" liege nicht vor Amerika, sondern "in uns selbst". Es gehe darum, den Glauben an die Verbesserung der amerikanischen Demokratie zu bewahren. Der Parteitag endet am Donnerstagabend mit der Rede Al Gores, in der er die Nominierung seiner Partei offiziell annimmt.

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