Parteitag in Linz : Faymann neuer Vorsitzender der SPÖ

Wenige Wochen vor der Parlamentswahl in Österreich haben die Sozialdemokraten (SPÖ) einen neuen Vorsitzenden gewählt: Infrastrukturminister Werner Faymann erhielt beim Parteitag in Linz über 98 Prozent der Stimmen. Auf seiner Liste stehen Steuerentlastungen und Bekämpfung der Teuerung.

Werner Faymann
Werner Faymann: "Ihr könnt euch auf mich verlassen." -Foto: dpa

WienDer 48-jährige Werner Faymann ist mit großer Mehrheit zum neuen Vorsitzenden der österreichischen Sozialdemokraten gewählt worden. Der amtierende Bundesverkehrsminister und Kanzlerkandidat seiner Partei erhielt auuf dem SPÖ-Parteitag in Linz am Freitag 98,36 Prozent der 574 Delegiertenstimmen. Faymann tritt die Nachfolge des gescheiterten österreichischen Bundeskanzlers Alfred Gusenbauer an, der keine politischen Ämter mehr anstrebt. Faymann, der der einzige Kandidat für das Amt war, erzielte eines der besten Ergebnisse in der Geschichte der SPÖ.

Der nach Umfragen als Kanzler sehr unbeliebte Gusenbauer hatte bereits Mitte Juni auf Druck der Partei den Verzicht auf den Vorsitz bekannt geben müssen, Faymann wurde zunächst geschäftsführender Vorsitzender. Anfang Juli ließ die konservative ÖVP nach nur eineinhalb Jahren Regierungszeit und viel Streit die große Koalition im Alpenland platzen. Neuwahlen sind für den 28. September geplant.

Unverbindlich sympathischer Taktiker

In seiner Rede gab sich Faymann, der als Politiker ohne Ecken und Kanten gilt, als überzeugter Sozialdemokrat: "Das sozialdemokratische Modell einer gerechten, fairen und chancengleichen Gesellschaft ist heute so gültig wie damals - denn soziale Gerechtigkeit wird auch in Zukunft dringend gebraucht." Er setzte auf klassische SPÖ-Themen und kündigte unter anderem an, die Teuerung zu bekämpfen, Steuerentlastungen vorzuziehen und niemals mit der rechten FPÖ eine Koalition einzugehen. Die Mitglieder feierten ihn mit Applaus.

Auch für den von den eigenen Genossen demontierten Ex-Vorsitzenden Gusenbauer standen die Delegierten nach seiner Abschiedsrede auf. "Ich entschuldige mich für die Fehler, die ich gemacht habe und die ihr gemeinsam mit mir erdulden musstet", sagte Gusenbauer. Dennoch sei er stolz auf das, was alle gemeinsam geschafft hätten und bedanke sich bei seinen Unterstützern.

Außerdem soll auf dem Parteitag auch das neue Wahlprogramm abgesegnet werden. Kernpunkte sind eine Lohnsteuer-Entlastung, die Abschaffung von Studiengebühren und eine Neuregelung der Rentenanpassung. (sgo/dpa)

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