Parteitag : McCain warnt "Washingtoner Meute"

Unter Jubelrufen und Luftballons in Rot, Weiß, Blau hat John McCain seine Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei offiziell angenommen. Zum Abschluss des Wahlparteitages hielt er seine Antrittsrede - und sparte nicht mit kritischen Worten.

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John McCain -Foto: AFP

St. PaulZum Abschluss des Wahlparteitags der US-Republikaner hat sich Präsidentschaftskandidat John McCain als kampferprobter Reformer für einen politischen Neubeginn in Washington empfohlen. "Der Wechsel wird kommen", sagte McCain in seiner Rede am Donnerstagabend. Zu Beginn seiner Ansprache in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota akzeptierte der 72-Jährige vor begeisterten Anhänger die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten seiner Partei. "Ich nehme mit Dankbarkeit, Demut und Zuversicht an", sagte McCain. Kriegsgegner störten kurzfristig die Rede des Senators aus Arizona.

Der Kandidat präsentierte sich in seiner Rede trotz seiner mehr als 20-jährigen Zugehörigkeit zum Senat in Washington als Außenseiter, der mit Parteiengezänk und Filzskandalen Schluss machen werde. Die derzeitige Politik in Washington bezeichnete er als "alt, verschwenderisch, untätig, eigennützig". Dies sei als "Vorwarnung an die Washingtoner Meute" zu verstehen, sagte McCain. Damit versuchte sich der Senator demonstrativ vom unpopulären republikanischen US-Präsidenten George W. Bush abzugrenzen.

Seitenhiebe auf Obama

McCain versprach politische Sacharbeit über Parteigrenzen hinweg. "Ich werde die Hand von jedem ergreifen, der mir hilft dieses Land voranzubringen", sagte McCain. Auch in der Vergangenheit habe er immer wieder mit Vertretern anderer Parteien zusammengearbeitet. Er habe seine Fähigkeit zur Zusammenarbeit längst unter Beweis gestellt. "Senator Obama hat das nicht getan", fügte McCain mit Blick auf seinen Gegenkandidaten hinzu.

Im Gegensatz zu Barack Obama habe er die Erfahrungen und die Narben, die seine Reife für die US-Präsidentschaft bewiesen, sagte McCain in Anspielung auf seine Zeit als Kriegsgefangener in Vietnam. "Ich verliebte mich in mein Land, als ich ein Gefangener war. Ich liebte es, weil es nicht nur ein Ort war, sondern eine Idee, die es wert war, für sie zu kämpfen." Nach diesem Erlebnis sei er nicht mehr derselbe gewesen, führte McCain fort. Vor der Rede hatte bereits ein kurzer Film an McCains Zeit als US-Soldat erinnert.

Basis steht hinter Palin

McCain warb auch für seine Vizekandidatin Sarah Palin, die bereits am Mittwoch mit einer kämpferischen Rede die konservative Basis der Partei hinter sich gebracht hatte. "Ich bin sehr stolz, dass ich Ihnen die nächste Vizepräsidentin unseres Landes vorgestellt habe", sagte McCain. Sie werde frischen Wind nach Washington bringen. Seit ihrer überraschenden Nominierung durch McCain am vergangenen Freitag war in US-Medien immer wieder die Frage der Eignung Palins für die Vizepräsidentschaft aufgeworfen worden. Palin ist erst seit Dezember 2006 Gouverneurin von Alaska, zuvor war sie Bürgermeisterin der Kleinstadt Wasilla.

Auch auf außenpolitische Themen ging McCain ein. Er versprach, sich im Falle seines Wahlsiegs für gute Beziehungen zu Russland einzusetzen. Gleichzeitig drohte er mit Blick auf den russischen Militäreinsatz in Georgien, Washington werde im Falle eines Angriffs nicht "blind" sein. Der Präsidentschaftskandidat kritisierte die russische Regierung, die "demokratische Ideale verworfen" habe, um Ölreserven zu kontrollieren und "das Russische Reich wieder herzustellen".

Irakkrieg-Gegner stören Parteitag

Mehrere Gegner des US-Militäreinsatzes im Irak störten McCains Rede wenige Minuten nach ihrem Beginn. Einer der Demonstranten hielt im Saal ein Schild hoch, auf dem "Eine Besatzung kann man nicht gewinnen", stand. Seine Protestrufe gingen jedoch schnell in "USA, USA"-Rufen der McCain-Anhänger unter. Weitere Kriegsgegner in anderen Teilen des Saales wurden von Sicherheitskräften hinausgebracht.

Vor McCain hatte seine Frau Cindy die Delegierten auf den Höhepunkt des Abends eingestimmt. "Wenn die Amerikaner geradlinige Diskussionen und die schlichte Wahrheit wollen, sollten sie einen genaueren Blick auf John McCain werfen", sagte sie. Der Senator war am Mittwoch offiziell als Kandidat seiner Partei für die Präsidentschaftswahl am 4. November nominiert worden. Mit seiner Rede ging der viertägige Wahlparteitag der Republikaner zu Ende. (iba/AFP)

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