Parteiwechsel : Metzger ist jetzt CDU-Mitglied

Oswald Metzger hat die erste Hürde auf seinem angestrebten Weg zu einem CDU-Bundestagsmandat genommen. Die CDU im baden-württembergischen Biberach nahm den ehemaligen Grünen-Politiker am späten Mittwochabend als neues Mitglied auf.

Berit Schmidt[dpa]
Oswald Metzger
Oswald Metzger. -Foto: dpa

Bad SchussenriedWährend es für Metzger um nicht weniger als seine politische Zukunft ging, handelte der Kreisvorstand der Biberacher CDU auffällig routiniert die Tagesordnung ab. Die 21 stimmberechtigten Männer und Frauen im Vorstand befassten sich erst nach fünf von acht Punkten mit dem Aufnahmeantrag des 53-Jährigen.

Auch in der anschließend verteilten Pressemitteilung hieß es lediglich: "Alle Aufnahmeanträge in die CDU Kreis Biberach wurden positiv beschieden." "Wir haben als Kreisverband gezeigt, dass wir eine starke CDU sind und unsere Probleme selber lösen können", sagte die stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes und Europaabgeordnete Elisabeth Jeggle nach der Sitzung. Metzger kommentierte seine Aufnahme auf Anfrage mit den Worten: "Ich bin damit zufrieden und habe nichts anderes erwartet."

Bundestagsmandat rückt näher

Jetzt geht der innerparteiliche Kampf um die Bundestagskandidatur in die zweite Runde. Die nächste Bewährungsprobe ist am 1. Juli die Nominierungsveranstaltung in der Biberacher Stadthalle. Dann entscheiden rund 1500 CDU-Mitglieder über ihren Kandidaten. Metzgers Konkurrenten sind bislang der Kreisvorsitzende Josef Rief, die Diplom-Volkswirtin Carmen Bogenrieder, der amtierende Bürgermeister der Stadt Bad Buchau, Peter Diesch, das Vorstandsmitglied des Stadtverbandes Burgrieden, Christoph Burandt, und der Rechtsanwalt und Steuerjurist Jürgen Anliker aus Riedlingen.

Dabei kann Metzger von einer Zersplitterung der CDU in Biberach profitieren. Denn Rief ist umstritten. Als Kreisvorsitzender wird er zwar getragen, aber ob ihn die Mitglieder auch bei einer Bundestagskandidatur unterstützen, ist fraglich. "Ich halte es nicht mehr für ausgeschlossen, dass Metzger eine Chance hat", sagte ein führendes Mitglied der Landes-CDU bereits vor Metzgers Aufnahme. Auch Metzger rechnet weiterhin mit einer 50:50-Chance bei seiner Nominierung.

"Bauchschmerzen"

Seine Parteiaufnahme stand lange Zeit wegen seiner nicht abgesprochenen Forderung nach einer Bundestagskandidatur auf der Kippe. Nur mit Bauchschmerzen sei eine Aufnahme möglich, sagte Ende März nach der Bekanntgabe von Metzgers Übertrittwunsch der Biberacher Noch-Bundestagsabgeordnete Franz Romer.

Selbst vor der Führung der Südwest-CDU hatte der Streit nicht haltgemacht. Landeschef und Ministerpräsident Günther Oettinger wollte im März laut Pressebericht Metzgers Aufnahmewunsch öffentlich begrüßen, sei aber in einer Telefonkonferenz von Landtagsfraktionschef Stefan Mappus gestoppt worden. Die Landes-CDU wollte sich nicht einmischen, weil sie eine Trotzreaktion des Kreisverbandes fürchtete, hieß es hinter den Kulissen.

Doch eigentlich war man sich immer sicher: Metzger muss aufgenommen werden - dem Statut der CDU Deutschland zufolge spricht nichts dagegen. Zwar betonte Rief noch kurz vor der Sitzung, dass die Biberacher den ehemaligen Querkopf in den Reihen der Grünen durchaus ablehnen könnten. Doch im Statut heißt es eindeutig: "Mitglied der Christlich Demokratischen Union Deutschland kann jeder werden, der ihre Ziele zu fördern bereit ist, das 16. Lebensjahr vollendet hat und nicht infolge Richterspruchs die Wählbarkeit oder das Wahlrecht verloren hat." Und dem musste sich auch die Biberacher CDU beugen.

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