Passau : Attentat auf Mannichl: Polizei veröffentlicht Phantombilder

Eine grüne züngelnde Schlange mit ausgestreckter Zunge und eine auffällige Kreuz-Tätowierung: Nach dem mutmaßlichen Neonazi-Attentat auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl hat die Polizei nun Zeichnungen der Gesuchten veröffentlicht.

Fall Mannichl Phantombilder
Diese beiden Zeichnungen von auffälligen Tätowierungen hatte die Polizei im Fall Mannichl veröffentlicht. -Foto: dpa

PassauDie beiden Bilder zeigen in erster Linie die auffälligen Tattoos von zwei gesuchten Männern. Es soll sich dabei einerseits um den möglichen Täter, sowie um eine weitere Person, die sich ebenfalls am Tattag in Fürstenzell aufgehalten haben soll, handeln. Mannichl selbst hatte den Täter als etwa 1,90 Meter groß und 25 bis 35 Jahre alt beschrieben. Der Angreifer habe ein rundes volles Gesicht, sei glatzköpfig, am Hals trage er eine Tätowierung oder ein größeres Muttermal. Der Täter sei dunkel gekleidet gewesen, vermutlich mit Bomberjacke, und habe bayerischen Dialekt gesprochen, möglicherweise mit österreichischem Einschlag.

Darüber hinaus aber fahndet die Polizei nach ein bis zwei weiteren Männern. Ein Verdächtiger hat demnach hinter dem linken Ohr ein auffälliges Tattoo, das eine grüne Schlange mit ausgestreckter Zunge zeigt. Diese Tätowierung ist auf einer der Zeichnungen zu sehen. Der Mann soll 30 bis 40 Jahre alt sein, eine große und kräftige Figur, einen bulligen Nacken, und eine Glatze haben. Zudem liegt den Ermittlern eine Beschreibung vor, die sich möglicherweise einer weiteren Person zuordnen lasse, hieß es. Der Mann habe in der rechten Gesichtshälfte eine größere Kreuz-Tätowierung, die mit einem Pfeil versehen sei.

Mannichl ruft zu mutigem Vorgehen gegen Neonazis auf

Der Passauer Polizeichef Alois Mannichl hat nach dem auf ihn verübten Mordanschlag unterdessen zu einem mutigen Vorgehen gegen Rechtsextremismus aufgerufen. "Wir dürfen uns von Einzelnen nicht in Angst und Schrecken versetzen lassen", sagte Mannichl am Freitag bei seiner Entlassung aus dem Krankenhaus. "Wir werden im Kampf gegen Rechtsextremismus nicht nachlassen", versicherte der sichtlich geschwächte Beamte. Den Mordversuch des weiterhin flüchtigen Täters bezeichnete der 52-Jährige als einen "feigen Anschlag".

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, unterstrichen, dass ein entschiedenes Handeln gegen den Rechtsextremismus notwendig sei. "Wenn hier ein Vertreter unseres Staates, aber auch wenn andere Menschen durch Rechtsextreme angegriffen werden, dann ist das ein Angriff auf uns alle", sagte Merkel der "Passauer Neuen Presse". Neben der Politik sei die gesamte Gesellschaft gefordert. Nötig sei vor allem Zivilcourage. Knobloch appellierte: "Demokraten und die Demokratie müssen agieren, nicht nur reagieren."

Der Polizeidirektor war am vergangenen Samstag vor seiner Haustür in Fürstenzell bei Passau niedergestochen worden. Die Polizei nimmt an, dass es sich um einen Racheakt von Rechtsextremisten handelte, weil Mannichl bei etlichen Einsätzen immer wieder beherzt gegen Neonazis eingeschritten war. Ein Münchner Ehepaar sitzt wegen Beihilfe zum versuchten Mord in Untersuchungshaft. Nach dem Messerstecher und einem weiteren möglichen Komplizen wird in ganz Deutschland und Österreich gefahndet. (jam/ddp/dpa)

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