Politik : Pater Basilius Streithofen ist tot

Dominikaner mit enger Beziehung zur Politik

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Berlin - Eine auffällige Gestalt war dieser Pater schon deshalb, weil er gerne mit wehender weißer Soutane auftrat. Vor allem aber war Heinrich Basilius Streithofen das, was der Namen nahegelegte: streitbar, mit einer notorischen Neigung zu Kraftworten und Verbalinjurien. Noch vor zwei Jahren fand er, ein rüstiger Achtziger, den Weg in die einschlägigen Archive, indem er Politikern pauschal „Geschwätzigkeit, Disziplinlosigkeit, Wichtigtuerei und Feigheit“ nachsagte. Sozialdemokraten und Grüne verfolgte er ohnedies mit der Keule seiner Polemik, aber auch in der CDU, der er eng verbunden war, fand er „machtpolitische Schwachmatiker, Geschaftelhuber oder opportunistische Schönschwätzer“. Und natürlich war er gegen alles, was nach liberalem oder gar linkem Zeitgeist roch. Selbst den deutschen Bischöfen hielt er, der sich wohl als ein moderner Bußprediger, ein Abraham a Sancta Clara von heute, empfand, Doppelmoral vor, als diese gegen das Verbot des Papstes murrten, mit Beratungsscheinen den Weg zur straffreien Abtreibung zu öffnen. Dabei stammte Streithofen aus dem Kloster Walberberg, das in den unmittelbaren Nachkriegsjahren ein Ideenspender der CDU war. Das 1945 beschlossene „Walberberger Programm“ der rheinischen CDU, noch stark von der katholischen Soziallehre geprägt, war ein Meilenstein in der Programm-Geschichte der Partei. Streithofen, im Rheinland geboren, musste im Zweiten Weltkrieg noch Soldat werden und fasste während des Krieges den Entschluss, Priester zu werden. 1950 in den Orden eingetreten, studierte er nicht nur Theologie, sondern auch Volkswirtschaft und Soziologie und wurde mit einer Arbeit über Gewerkschaftspolitik promoviert. Seit 1967 war er Vorstandsmitglied des Instituts für Gesellschaftswissenschaften Walberberg mit Sitz in Bonn. In der alten Bundeshauptstadt gehörte er über viele Jahrzehnte sozusagen zum Inventar des politischen Betriebs: ein schlanker, rheinisch witziger Mann mit der Fähigkeit zu bissigem Spott, der überall anzutreffen war und der mit seinem „Walberberger Kreis“ auch ein Forum für die Konservativen bot. Streithofen war es aber auch, der Herbert Wehner in den sechziger Jahren, in denen die SPD um ein gutes Verhältnis auch zur katholischen Kirche bemüht war, eine später als legendär empfundene Begegnung mit den Walberberger Dominikanern vermittelte. Zumal zu Helmut Kohl unterhielt er enge Beziehungen, und in dessen Bonner Ära war vermutlich sein Einfluss am größten. Für etliche CDU-Politiker war Streithofen indessen nicht nur der politische Beichtvater, als den man ihn gern bezeichnete, sondern auch seelsorgerischer Beistand; mag sein, dass er da über Fähigkeiten verfügte, auf die man aus seinem öffentlichen Auftreten nicht unbedingt schließen konnte. Mit fast 81 Jahren ist Basilius Streithofen am Dienstag gestorben. Rdh.

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