Patientenbeauftragter der Bundesregierung : Laumann hat die Lizenz zum Meckern

Aufgabe des Patientenbeauftragten ist es, zu rempeln und anzuschieben. Karl-Josef Laumann füllt diese Rolle aus wie kein anderer. Ein Kommentar.

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Für alle. Seit Ende 2013 ist Karl-Josef Laumann Patienten- und Pflegebeauftragter.
Für alle. Seit Ende 2013 ist Karl-Josef Laumann Patienten- und Pflegebeauftragter.Foto: Johannes Eisele/AFP

Zum Ende seiner Legislatur als Patienten- und Pflegebeauftragter hat Karl-Josef Laumann den Playern des Systems nochmal ordentlich gegens Schienbein getreten.

Den gesetzlichen Kassen, die chronisch Kranke jahrelang mit Billigware abgespeist und dabei mit einem Heilmittel-Verzeichnis aus dem vorigen Jahrhundert hantiert haben. Den Gutachtern des Medizinischen Dienstes, die viel zu eng mit den Versicherern verbandelt sind.

Den Ärzten, die Patienten unnütze Selbstzahlerleistungen aufschwätzen und ihnen Einsicht in die Krankenakte verwehren. Den gemeinsamen Beschlussgremien, in denen die Pflegenden nicht vorkommen. Den Privatkassen, die untereinander keinen Preiswettbewerb zulassen und ihre Versicherten in Geiselhaft halten.

Geboller vor den Wahlen

Das alles ist berechtigte Kritik. Aber ist solches Geboller kurz vor den Wahlen nicht sehr wohlfeil? Hätte der bodenständige Westfale seine Ämter und seinen Einfluss nicht nutzen müssen, um die beklagten Missstände abzustellen, statt sich jetzt, wo politisch nichts mehr zu wuppen ist, publikumswirksam darüber zu erregen?

Tatsächlich ist Laumanns Zuständigkeitsbereich ein schwerer Tanker. Und die Politik darf in einer Selbstverwaltung auch nicht, wie sie gerne möchte. Der 59-Jährige weiß das, er beackert die komplexe Materie in Bund und Land seit drei Jahrzehnten. Und er hat als Bürgeranwalt dennoch einiges erreicht.

Possenspiel um Pflege-TÜV

So ist es Laumann zu verdanken, dass Heimbetreiber nichts mehr davon haben, Pflegekräfte unter Tarif zu bezahlen, weil sie nun auch höhere Lohnkosten erstattet bekommen. Und er hat das Possenspiel um einen Pflege-TÜV beendet, der keiner war. „Lieber“, sagt er zu dessen überfälliger Neuerfindung, „dauert es ein bisschen und der Schuss sitzt, als dass man wieder was übers Knie bricht“.

Außerdem: Wer, wenn nicht Laumann, hätte die Lizenz zum Meckern? Die Kanzlerin hat den volksnahen Politiker bewusst als Gegengewicht zum unauffällig-technokratischen Bundesgesundheitsminister installiert. Sein Job ist es, zu rempeln und anzuschieben. Und er hat, wie es aussieht, gar nicht vor, sich davonzustehlen und das Unerledigte andern zu überlassen.

Zurück nach Nordrhein-Westfalen?

Zwar könnte Laumann im heimischen Nordrhein-Westfalen auch wieder Gesundheitsminister werden – aber nur unter einem CDU-Ministerpräsidenten Armin Laschet. Und nach dem heftigen Streit der beiden um den Landesparteivorsitz vor fünf Jahren wirkt ihr jetzt im Wahlkampf zur Schau getragener Schulterschluss doch sehr fragil.

Er fühle sich wohl in Berlin und empfinde seine Arbeit hier als wichtig, hat Laumann bereits verkündet. Das klingt nach Bewerbung für eine zweite Runde.

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