Patriot-Soldaten : Wehrbeauftragter beklagt Probleme bei Türkei-Einsatz

Beim deutschen Patriot-Einsatz in der Türkei knirscht es. Soldaten beklagen sich über schlechte Behandlung beim Nato-Partner. Der Verteidigungsminister verspricht Verbesserungen.

Die die deutsche Patriot-Staffel soll die Türkei vor Angriffen aus Syrien schützen.
Die die deutsche Patriot-Staffel soll die Türkei vor Angriffen aus Syrien schützen.Foto: dpa

Der Wehrbeauftragte des Bundestags, Hellmut Königshaus, sieht erhebliche Missstände beim erst vor kurzem begonnenen Bundeswehr-Einsatz in der Türkei. Das geht aus einem Bericht an den Verteidigungsausschuss hervor, in dem Königshaus Eindrücke von einem Truppenbesuch im Nato-Partnerland vor wenigen Tagen schildert. Die Zusammenarbeit mit der türkischen Seite werde „überwiegend als problematisch empfunden“, heißt es.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) versprach, dass sich die Bedingungen für den im Januar begonnenen Einsatz bald verbessern.

Während des Besuchs des Verteidigungsministers hat dem Bericht zufolge ein türkischer General eine deutsche Soldatin „geschubst“, die den Verkehr der Delegationsautos habe regeln wollen. Sie habe danach über Prellungen geklagt. Probleme gebe es auch, wenn deutsche Soldaten die Kasernen verlassen wollten. Drei Soldaten seien über Tage daran gehindert worden.

In dem Bericht wird auch beklagt, die Verpflegung sei eintönig, in der Regel gebe es nur kaltes Essen. Die Zustände im Sanitärbereich der türkischen Kaserne seien „unhaltbar“. Toiletten seien völlig verdreckt, die meisten verfügten nicht über eine Wasserspülung. Hundekadaver auf dem Gelände seien ein weiteres Risiko für die Hygiene.

Feldpost würde über Tage oder sogar Wochen festgehalten, heißt es weiter. Ein Paket für einen deutschen Soldaten sei erst nach viereinhalb Wochen zugestellt worden. Euros müssten zu schlechtem Kurs in privaten Wechselstuben getauscht werden.

Die türkische Armee unterbinde nach Eindruck der deutschen Soldaten zudem den Kontakt zwischen ihren Soldaten und den Deutschen.

Wer Kontakt aufnehme, werde „gemaßregelt“, heißt es über die Zustände in Kahramanmaras. Dort sind derzeit etwa 300 Bundeswehrsoldaten stationiert, um die Türkei mit Patriot-Flugabwehrraketen vor Angriffen aus dem benachbarten Syrien schützen.

De Maizière betonte, die Bundeswehr habe zunächst dafür sorgen müssen, dass sie ihren Auftrag erfüllen kann. Jetzt gehe es darum, die Bedingungen zum Beispiel im Sanitärbereich zu verbessern. „Die Türkei hat sich große Mühe gegeben, für gute Unterkunftsbedingungen zu sorgen“, sagte er. In Kürze würden neue Unterkünfte fertiggestellt. „Wenn diese neuen Unterkünfte fertig sind, wird sich vieles, was da vorgetragen worden ist, ändern.“ (dpa)

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