Patriotismus : Frankreichs Identität: Einmal jährlich die Marseillaise

An allen Schulen Frankreichs wird demnächst die Trikolore wehen, in den Klassenräumen wird die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 hängen und "mindestens" einmal im Jahr sollen junge Franzosen angehalten werden, die Marseillaise zu singen.

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Berlin - Zuwanderer sollen sich mehr um Französischkenntnisse bemühen und sich zur Gleichheit von Männern und Frauen bekennen. Bei ihrer Einbürgerung wird ihnen eine Charta über ihre Rechte und Pflichten zur Unterschrift vorgelegt.

Diese Maßnahmen gab Premierminister François Fillon jetzt als Schlussfolgerungen aus der Debatte über die nationale Identität bekannt gab. An ein feierliches Kolloquium mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy war eigentlich zum Abschluss dieser Debatte gedacht, in der die Franzosen seit Oktober äußern sollten, „was es heißt, Franzose zu sein“. Doch der Präsident, der die Debatte angeordnet hatte, winkte ab: Zu mager erschien ihm das Ergebnis wohl gemessen an den hehren Zielen der Kampagne, die selbst dem Regierungslager längst lästig ist.

350 Diskussionen hatte Integrationsminister Eric Besson landauf, landab organisiert, dazu ein eigenes Internetforum; doch überall wurden vor allem Ressentiments gegen Einwanderer und Muslime geäußert. Politiker blieben den Veranstaltungen fern, in denen sie nur ein Manöver sahen, der rechtsextremen Nationalen Front das Wasser abzugraben. So klingt es fast ironisch, wenn die Regierungspartei nun die „mutigen“ Entscheidungen des Premierministers preist. Hans-Hagen Bremer

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