Politik : Paul Spiegel - Kandidat mit Teamgeist

Paul Spiegel ist ein Mann des Showbusiness, aber sein Auftritt als Kandidat für das Präsidentenamt war zurückhaltend. Anders als Charlotte Knobloch wartete dieser Vizepräsident des Zentralrats, bis er im Dezember mit einem sehr guten Ergebnis in das Präsidium wiedergewählt wurde. Der 62-jährige Chef einer Düsselsdorfer Künstleragentur, die Schlager-Stars wie Heino und Gitte vertritt, hat sich erst durch seine Kandidatur in das Bewusstsein der breiteren Öffentlichkeit gebracht. Trotzdem wurde ihm sogleich die Favoritenrolle zugeschrieben.

Der Vorgabe der jüngeren jüdischen Repräsentanten, der neue Präsident solle noch einmal aus der Generation der Holocaust-Überlebenden stammen, entspricht auch Spiegel. Mit seinen Eltern überlebte er in einem Versteck in Belgien. Nach dem Krieg wurde Spiegel bei der "Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung" Journalist, wechselte dann in die Öffentlichkeitsarbeit. Als Pressechef des Rheinischen Sparkassenverbandes erwarb er sich gute Kontakte zur Politik. Bundespräsident Rau zählt Spiegel zu seinen Freunden. Spiegel ist seit 1984 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Düsseldorf und seit 1993 einer der Vizepräsidenten des Zentralrats. In seinem Beruf als Künstleragent ist er stark engagiert. Dies solle auch so bleiben, falls er Bubis Nachfolge antrete. Um das Amt so ausfüllen zu können wie der Verstorbene, müsse man "entweder Millionär oder Rentner sein." Spiegel setzt auf "Teamarbeit" mit den Präsidiumsmitgliedern. Wie Knobloch sieht er die Integration der Zuwanderer als wichtige Aufgabe. Von dem Pessimismus hinsichtlich der Zukunft der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, der Ignatz Bubis zuletzt ergriffen hatte, distanziert sich Spiegel. Die von Bubis verkörperte Rolle als "Wächter" über die deutsche Demokratie will auch er wahrnehmen. In religiösen Fragen ist der nach eigenen Worten "aufgeklärte traditionelle Jude" Spiegel weniger profiliert als Knobloch. AMORY BURCHARD / Foto: AP

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