Politik : PDS-Chef kündigt scharfen Oppositionswind an

Lars Rischke

Erstmals kommt der PDS im Freistaat die Rolle des Oppositionsführers zu. Dass die Genossen eine schwierige Aufgabe übernehmen, ist ihnen durchaus gewärtig. "Aber wir nehmen die Rolle an", heißt es unisono aus den Reihen der PDS. Und der neue Oppositionsführer im sächsischen Landtag hat die markigen Sprüche ohnehin schon drauf. Die CDU und ihr Ministerpräsident Kurt Biedenkopf sollten sich "auf einen scharfen Wind aus der Opposition gefasst machen", sagte PDS-Fraktionschef Peter Porsch noch am Wahlabend. Soziale Gerechtigkeit und Hilfe für die Schwachen müssten stärker betont werden. Dafür wolle er sorgen, mit oder ohne die SPD.

Eines ist bei den Linkssozialisten aber klar: Ihr Ziel, die schon neun Jahre währende Vormachtstellung der CDU zu brechen, können sie eigentlich nur mit der SPD erreichen. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass bereits an die nächste Landtagswahl gedacht wird. "Die SPD muss einen Wandel durchlaufen, mit einer schwachen SPD ist die CDU nicht abzulösen", sagt PDS-Landesvize Cornelia Ernst.

Wer den 54-jährigen Peter Porsch das erste Mal reden hört, wird vermutlich stutzen: Der wortgewandte Mann spricht eine Mischung aus sächsischem und wienerischem Dialekt. Der gebürtige Österreicher ist 1973 in die DDR gegangen - aus Liebe zu einer Frau und zum Sozialismus. Das Interesse für linke Politik soll noch in seiner Geburtsstadt Wien durch seinen Lateinlehrer geweckt worden sein. Dort machte er das Abitur und begann ein Studium der Germanistik und Politologie. 1968 wechselte er nach West-Berlin, wo er 1972 an der Freien Universität promovierte.

Ob Vietnamkrieg oder Militärputsch in Chile - die Haltung der DDR dazu empfand der Achtundsechziger Porsch als fortschrittlich. Dies ließ ihn endgültig auf die andere Seite des Eisernen Vorhangs wechseln. An der Leipziger Universität erklomm der Paradiesvogel aus dem Westen beharrlich die Karriereleiter und trat 1982 der SED bei. Kurz vor dem Mauerfall wurde er zum Professor für Germanistik berufen. Bereits 1979 verzichtete der passionierte Hockeyspieler bei seiner zweiten Heirat auf seine österreichische Staatsbürgerschaft. Längst hatte er sich zu dieser Zeit mit dem System arrangiert, ein Zurück gab es nicht mehr.

Nach der Wiedervereinigung wurde Porsch schnell zur zentralen Figur der sächsischen PDS, die er - mit zweijähriger Unterbrechung - seit 1991 führt. Seit 1994 ist er Fraktionschef. Porsch wird zugerechnet, im grössten Landesverband der SED-Nachfolgepartei mit viel Fingerspitzengefühl und seinem versöhnlich wirkenden Wiener Charme zwischen den Altkommunisten auf der einen und den Reformkräften auf der anderen Seite vermittelt zu haben.

Porsch, der sich selbst als Realpolitiker sieht, räumte zwischenzeitlich ein, amtsmüde zu sein. Bereits 1995 hatte der Sohn aus bürgerlich-katholischem Elternhaus nicht mehr für den Landesvorsitz kandidiert. Er war damals durch den Leipziger Reinhard Lauter abgelöst worden, unter dessen Führung die Partei in der Folgezeit in ernste Schwierigkeiten geraten war. Wohl auch auf Drängen von Parteichef Lothar Bisky war Porsch 1997 erneut angetreten.

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