Politik : PDS: Im Osten 23 Prozent für rot-rote Regierung

Carsten Germis

Offiziell mag PDS-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch über mögliche Koalitionen seiner Partei mit der SPD nach der Bundestagswahl 2002 nicht spekulieren. "Wir drängen uns auf keinen Fall auf", sagt er dann, und: "Es deutet wenig darauf hin." Schließlich gebe es auch den klaren Beschluss des Cottbuser Parteitags vom vergangenen Herbst, der die Zeit für rot-rote Bündnisse auf Bundesebene noch nicht gekommen sieht. Aber manchmal, im Geheimen, träumen die Genossen vielleicht doch davon.

"Für den Osten gibt es eine klare Aussage", berichtete Bartsch am Montag voller Stolz, als er die Ergebnisse einer im Oktober vom PDS-Vorstand in Auftrag gegebenen Meinungsbefragung vorstellte: "23 Prozent der Ostdeutschen wünschen sich 2002 auf Bundesebene eine SPD/PDS-Koalition", heißt es da. Die Partei müsse jetzt "bis 2002 klar machen, wie sie die Bundesrepublik in den darauf folgenden vier Jahren verändern will".

Ähnliche Befragungen hatte die PDS schon 1992 und 1996 in Auftrag gegeben, doch noch nie hatte die Partei eine so günstige Ausgangsbasis wie jetzt. "Unser Wahlziel von sechs Prozent plus x ist realistisch", sagte Bartsch. Durch die Wahlerfolge 1998 und 1999 habe sich die PDS "zunehmend als fester Bestandteil im politischen System der Bundesrepublik" etabliert. Im Osten liegt die SED-Nachfolgepartei bei Umfragen um die 20 Prozent, im Westen bei zwei. Dass die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland auch im zehnten Jahr der Einheit zu einer erkennbaren Trennung in zwei Teilgesellschaften führen, bestätigt auch die Studie. "So votieren 35 Prozent der Ostdeutschen dafür, dass sich in der Zukunft in der Gesellschaft vieles grundlegend ändern muss", heißt es. In Westdeutschland meinen das lediglich 16 Prozent. Dabei hat sich im Westen nach dem Regierungswechsel 1998 die Zahl derjenigen, die grundlegende Veränderungen fordern, von 52 auf 35 Prozent vermindert. Im Osten ist sie mit 63 statt 64 Prozent nahezu gleich geblieben.

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