Politik : PDS-Mann Porsch als Uni-Professor entlassen

Matthias Meisner

Berlin - Mitten im sächsischen Landtagswahlkampf ist der PDS-Spitzenkandidat Peter Porsch fristlos als Germanistikprofessor der Universität Leipzig entlassen worden. Nach Agenturberichten wurde vom CDU-geführten sächsischen Wissenschaftsministerium damit die Konsequenz aus den Stasi-Vorwürfen gegen den Politiker gezogen.

Die Behörde berief sich auf Unterlagen, die ihr von der Birthler-Behörde übersandt worden waren. Das Ministerium folgte einer einstimmigen Empfehlung der Personalkommission der Universität. Dem 59 Jahre alten, 1973 in die DDR übergesiedelten Österreicher wird vorgeworfen, unter dem Decknamen „IM Christoph“ für die Stasi gearbeitet zu haben. Unter anderem soll er über Lesungen von DDR-Autoren berichtet haben.

Porsch selbst bestreitet eine Spitzeltätigkeit. Er schließt aber nicht aus, über einen vorgeblichen Kripo-Mitarbeiter von der Stasi ausgehorcht worden zu sein. Gegen die Entlassung will er vor das Arbeitsgericht ziehen.

Porsch hatte schon frühzeitig nach Bekanntwerden der Vorwürfe klar gemacht, dass er nicht daran denkt, seine Spitzenkandidatur aufzugeben. Er hat dafür auch den Rückhalt von PDS-Landes- und -Bundesführung. Parteichef Lothar Bisky sieht Porsch als Opfer einer Kampagne. Bisky unterstrich am Freitag: „Er hat mein Vertrauen, auch im Hinblick auf Aktenschnipseljäger.“ Sachsens PDS-Fraktionsgeschäftsführer André Hahn sprach von einem „billigen Racheakt“ von Wissenschaftsminister Matthias Rößler (CDU). Laut Umfragen könnte die PDS bei der Wahl am 19. September gegenüber der Wahl 1999 leicht zulegen. Sie war damals mit 22 Prozent der Stimmen zweitstärkste Partei geworden.

Porsch hatte von 1973 an an der Karl-Marx-Universität als wissenschaftlicher Assistent gearbeitet. 1988, kurz vor der Wende, übernahm er eine ordentliche Professur.

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