Politik : PDS-Politiker von Rechten schwer verletzt

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Berlin - Der türkischstämmige PDS-Politiker Giyasettin Sayan ist am Freitagabend in seinem Wahlkreis im Berliner Stadtteil Lichtenberg vermutlich von Rechtsextremisten angegriffen und niedergeschlagen worden. Das 56-jährige Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses wurde von der Feuerwehr mit schweren Kopfverletzungen ins Oskar-Ziethen-Krankenhaus gebracht.

Nach Polizeiangaben wurde Sayan gegen 22 Uhr 30 beim Abschließen seines Autos nahe dem Bahnhof Lichtenberg von zwei Männern als „Scheißtürke“ angepöbelt. Danach hätten die Täter sofort zugeschlagen, möglicherweise mit einer Flasche. Nachdem die Männer geflüchtet waren, schleppte sich Sayan zu einer Pizzeria in der Nähe. Der Chef des Landeskriminalamtes, Peter-Michael Haeberer, sprach von einer „Zufallsbegegnung“ zwischen Tätern und Opfer. Sayan soll bei der Polizei jedoch ausgesagt haben, die Täter hätten ihn erkannt. Zeugen gibt es keine; die Polizei hat 3000 Euro Belohnung ausgesetzt. Sayan hatte im Jahr 2001 bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus für die PDS das Mandat in dem Lichtenberger Wahlkreis geholt.

Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch sagte, auch nach dieser Tat sei es nicht gerechtfertigt, in der Hauptstadt von „No-go-Areas“ zu sprechen. Der Türkische Bund teilte dagegen mit, der Fall „zeige, dass die Warnungen von Herrn Heye nicht unbegründet seien“. Der Ex-Regierungssprecher der rot-grünen Bundesregierung, Uwe Karsten Heye, hatte am Mittwoch im Blick auf die Fußball-WM Ausländer mit dunkler Hautfarbe vor dem Besuch kleiner und mittlerer Städte in Brandenburg und anderswo gewarnt. „Er würde sie möglicherweise lebend nicht mehr verlassen“, so Heye. Ha/Tsp

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