Politik : PDS: Sehnsucht nach Geborgenheit

Matthias Meisner

Die Mitgliedschaft der PDS unterscheidet sich grundlegend von ihren Wählern. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie des Hallenser Fokus-Instituts, die auszugsweise am Sonnabend in Magdeburg dem PDS-Parteivorstand vorgestellt wurde. Danach sind zwei Drittel aller Mitglieder 60 Jahre und älter, während früheren Untersuchungen zufolge zwei Drittel der Mitglieder jünger als 50 sind. Die Studie, die der Führung seit Wochen vorliegt, war bisher unter Verschluss gehalten worden. Für sie waren fast 2400 Mitglieder befragt worden.

Viele Mitglieder erwarten, dass die PDS ihnen ein soziales Netz und Geborgenheit bietet. Die Hoffnung auf Wahlerfolge trete dagegen in den Hintergrund. Ein Vorstandsmitglied, das namentlich nicht zitiert werden wollte, zog im Gespräch mit dem Tagesspiegel den Schluss, viele der gegenwärtig geführten Debatten in der Partei über den Kurs der PDS seien "Mitgliederdebatten, keine Wählerdebatten". Der PDS-Funktionär warnte: "Wir müssen aufpassen, dass wir kein Trachtenverein werden."

Der Vorstand beschloss die von Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch vorgelegte Strategie für den Bundestagswahlkampf 2002. Eine Mehrheit im Vorstand legte aber Wert drauf, dass kein Satz in dem Papier als Koalitionsaussage zur Bundes-SPD interpretiert werden kann. Auf Bartschs ursprünglichen Formulierungsvorschlag, die PDS wolle keinen "von fundamentaler Ablehnung geprägten Wahlkampf" gegen die SPD führen, wurde verzichtet.

Vom Vorstand präzisiert wurde die Erklärung der PDS-Vorsitzenden Gabi Zimmer und der Berliner Landeschefin Petra Pau zur Gründung der SED: Die Vereinigung von KPD und SPD sei "historisch legitim" gewesen und "bedarf als solcher keiner Entschuldigung". Historische Kritik an der Art und Weise der Vereinigung sei keine Demutsgeste, "sondern ein Ausdruck von kritischem Selbstbewusstsein".

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben