Pegida-Redner : Akif Pirincci wegen Volksverhetzung verurteilt

Das Amtsgericht Dresden verurteilte den türkischstämmigen Publizisten am Montag wegen Volksverhetzung. Der Auftritt als Pegida-Redner kostet ihn 2700 Euro.

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Akif Pirinçci muss wegen einer Hetzrede bei der islamfeindlichen Pegida-Bewegung Strafe zahlen
Akif Pirinçci muss wegen einer Hetzrede bei der islamfeindlichen Pegida-Bewegung Strafe zahlenFoto: Willnow/ dpa

Sein Auftritt als Pegida-Redner auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise kostet den rechten Autor Akif Pirincci 2700 Euro. Das Amtsgericht Dresden verurteilte den türkischstämmigen Publizisten am Montag zu einer Geldstrafe wegen Volksverhetzung. Ursprünglich hatte er einen Strafbefehl über rund 12.000 Euro erhalten, gegen diesen aber Einspruch erhoben, so dass es zu einer Verhandlung kam.
Pirincci hatte im Oktober 2015 in Dresden vor rund 20.000 Menschen eine Rede gehalten, die teilweise sogar das Pegida-Milieu verstörte. In derber Sprache und mit vielen sexuellen Anspielungen zog er über Muslime her, unterstellte ihnen eine „krankhafte Beschäftigung mit allem, was Ficken und Gewalt riecht“ und erklärte, mit dem Familiennachzug von Flüchtlingen komme eine „vorzügliche Moslemmüllhalde zusammen“.
Diese widerlichen Passagen gingen in der damaligen Berichterstattung weitgehend unter. Stattdessen konzentrierten sich die Medien auf Äußerungen zu Konzentrationslagern, die Pirincci jedoch nicht auf Flüchtlinge bezogen hatte. In der Folge kündigten Verlage die Zusammenarbeit mit ihm auf. Offenbar hatte es deshalb finanzielle Gründe, dass sich der frühere Bestseller-Autor gegen den Strafbefehl wehrte.

Bitte um milderes Strafmaß

„Ich bin pleite", sagte Pirincci und bat um ein milderes Strafmaß. Sogar der Buchhandel einschließlich der Grossisten boykottiere ihn. Dabei habe sein Verlag Goldmann mit seinen international erfolgreichen Katzenkrimis mehr als 30 Millionen Euro verdient. Pirinccis Anwalt sprach davon, dass der überwiegende Teil der Rede von der Meinungsfreiheit gedeckt gewesen sei. In zwei Passagen hätte sein Mandant sich jedoch „differenzierter äußern müssen“. Dem Gericht galt das als Geständnis.
Die Richterin machte deutlich, dass Pirincci „Grenzen überschritten“ habe. Er habe Fremde verächtlich gemacht und eine feindliche Haltung gegenüber Flüchtlingen erzeugen wollen. Zu seinen Gunsten spreche, dass er die Tat einräume und erhebliche wirtschaftliche Folgen zu tragen habe. In der Verhandlung äußerte Pirincci erneut Anzüglichkeiten, nach dem Urteil machte er Mätzchen für die Presse. Er lebe nur noch von dem, was ihm zugesteckt werde, sagte er und verglich sein Schicksal mit dem von Thomas Mann zur NS-Zeit. „In gesteigerter Form,“ fügte er hinzu. Der Schriftsteller sei nur verboten worden, er hingegen sei praktisch nicht mehr vorhanden.

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