Pegida : Wie schaut das Ausland auf die Islamkritiker?

Tausende Anhänger von "Pegida" demonstrieren gegen eine angebliche „Überfremdung“. Schadet das dem Ansehen Deutschlands?

"Pegida"-Demonstranten in Dresden.
"Pegida"-Demonstranten in Dresden.Foto: dpa

18 000 Menschen schlossen sich der „Pegida“-Kundgebung am Montag in Dresden an. Doch die Tatsache, dass deutschlandweit auch 20.000 Gegendemonstranten auf die Straße gingen, zeigt, wie kontrovers die angebliche „Überfremdung“ des Landes gesehen wird. Viele deutsche Politiker haben sich schon zu Wort gemeldet. Aber auch in anderen Ländern wird inzwischen über die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ diskutiert.

Frankreich

Was sich seit einiger Zeit montags in Dresden und anderen großen deutschen Städten abspielt, wird in Frankreich mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Woche für Woche berichteten die Medien über die wachsende Zahl der Demonstranten, die unter dem Ruf „Wir sind das Volk“ „Pegida“ folgen. Sie suchten nach Antworten auf die Frage nach den Ursachen dieser, wie „Le Monde“ vermerkte, aus dem Nichts entstandenen fremdenfeindlichen Bewegung. Am Dienstag konnte das Blatt seinen Lesern erstmals einen Kontrastbericht liefern, nachdem die Zahlen derer, die für ein offenes Deutschland eintreten, größer waren als die der „Pegida“-Anhänger.

Der Eindruck, den die Bilder von der anderen Seite des Rheins in Frankreich hinterlassen, ändert für französische Beobachter nichts an dem Phänomen, dass in Deutschland auch mit dem Aufkommen der AfD eine rechtspopulistische Bewegung entstanden ist, die sich ausbreitet. „In Deutschland banalisiert sich der rassistische Diskurs“, stellte „Le Monde“ Mitte Dezember fest. Dass sich jetzt eine Gegenbewegung bilde, unterstreiche die Sorge, dass durch die deutsche Gesellschaft ein Riss geht, der sich zu vertiefen droht, meint die Zeitung. 

Großbritannien

In Großbritannien wird „Pegida“ schon deshalb aufmerksam verfolgt, weil man selbst seit Jahrzehnten eine heftige Immigrationsdebatte führt. Schon lange vor Weihnachten horchten die Briten auf, als die ersten Berichte über „Pegida“ aufkamen. Einerseits sieht man das Phänomen als Teil wachsender Volksbewegungen, die sich überall in Europa formieren, um Kritik an der EU, der Globalisierung und der Postkrisenpolitik zu üben. So schrieb Theaterregisseur David Edgar im „Guardian“ über die „extreme Rechte“, die „25 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer überall auf dem Vormarsch ist“. Andererseits wird „Pegida“ aber auch in der Sonderperspektive der deutsch-britischen Politik wahrgenommen.

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Da die Deutschen nun ein ähnliches Problem wie sie haben, hoffen die Briten, dass sie mehr Verständnis für ihre Politik erhaschen können. Mehr als 10 000 Deutsche hätten die Aufrufe ihrer Bundeskanzlerin sowie ein 70 Jahre altes politisches Tabu ignoriert und Reden gegen Ausländer, die Medien und die regierenden Klassen bejubelt, schreibt die „Times“ über die Dresdener „Pegida“-Demo am Montagabend.

Schweiz

Die Schweizer beobachten die Politik in Deutschland genau. Wenn im „großen Kanton“ an den politischen Rändern neue Kräfte wie „Pegida“ entstehen, dann schauen die Schweizer noch genauer hin. Die Medien sind sich in ihrer ablehnenden Haltung gegenüber „Pegida“ nahezu einig. Die „NZZ am Sonntag“ beklagt die „fremdenfeindlichen Umtriebe“ der Anti-Islam-Bewegung und analysiert: „Wie aus dem Nichts ist in Dresden mit kleinen Ablegern in anderen Städten eine außerparlamentarische Bewegung entstanden, zu der die Politik keinen Zugang findet.“ Doch das Gedankengut von „Pegida“ breitet sich auch in der Schweiz aus. Helvetische „Pegida“-Aktivisten hetzen via Internet gegen den Islam und die „Überfremdung“.

Schon seit Jahren macht die Schweizerische Volkspartei (SVP) Stimmung gegen Ausländer, Asylbewerber und auch den Islam. Die SVP ist stärkste politische Kraft Helvetiens. Zu den größten Erfolgen der Rechten gehörte 2009 das Ja der Schweizer in einer Volksabstimmung zu der Minarett-Initiative. Seitdem verbietet die Verfassung den Bau von Minaretten in dem Land.

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