Peking : Atomgespräche mit Nordkorea stocken

Die Verhandlungen über das nordkoreanische Atomwaffenprogramm sind festgefahren. Der US-Unterhändler Christopher Hill zeigte sich enttäuscht - und erschöpft.

Peking - Am Ende des vierten Tages der Sechs-Parteien-Gespräche in Peking äußerte sich der amerikanische Unterhändler Christopher Hill vor Journalisten enttäuscht über den Verlauf der Gespräche. "Es ist schwer, jetzt daran zu denken, optimistisch zu sein." Die Delegation Nordkoreas habe Instruktionen gehabt, nicht offiziell über die Beseitigung des Atomwaffenprogramms zu sprechen, solange die Frage der amerikanischen Finanzsanktionen wegen illegaler Geldtransaktionen nicht gelöst sei.

Es habe auch keine Arbeit an einem Entwurf einer gemeinsamen Erklärung gegeben, die Hill am Morgen noch erwartet hatte. Gastgeber China habe schließlich doch kein Dokument vorgelegt. "Heute war kein Tag, an dem wir viele Fortschritte festgestellt haben", sagte der Unterhändler im Hotel. "Wir hatten auf mehr Fortschritte gehofft, als wir gemacht haben." Er rechne mit einem Ende der Gespräche an diesem Freitag und werde am Samstag in die USA zurückreisen. Wann eine neue Gesprächsrunde stattfinden könne, werde danach entschieden.

Gespräche mit nordkoreanischer Delegation werden fortgesetzt

Die negative Bilanz des sichtlich erschöpften Unterhändlers am Abend stand im Gegensatz zu Äußerungen am Morgen, als sich erste Fortschritte andeuteten. Die USA und andere Delegationen hätten hart gearbeitet, um die Gespräche voranzubringen, sagte Hill. Er wünschte, die nordkoreanische Delegation hätte sich mehr beteiligt. Es habe allein am Donnerstag mehrere bilaterale Treffen zwischen den Delegationen der USA und Nordkoreas gegeben. Diese direkten Gespräche würden am Freitag fortgesetzt. Die Nordkoreaner hätten es aber schwer, über etwas anderes als die Finanzsanktionen zu sprechen.

Die Arbeitsgruppe zu dem Thema habe während zwei Tagen "gute Diskussionen und viel Austausch von Informationen" gehabt. Ein neues Treffen sei im Januar in New York geplant. "Die gute Nachricht ist, dass es ein laufender Prozess ist." Hill betonte aber, er sei nicht in Peking, um über die Finanzsanktionen zu sprechen, sondern über die Umsetzung der Erklärung vom September 2005. Damals hatte sich Nordkorea zu einer Aufgabe seines Atomwaffenprogramms im Gegenzug für Wirtschafts- und Energiehilfen sowie Sicherheitsgarantien bereit erklärt. "Mit einer Denuklearisierung können viele Dinge möglich werden", sagte Hill. "Aber ohne wird sehr wenig möglich sein."

An den Montag nach einem Jahr Unterbrechung wieder aufgenommenen Verhandlungen nehmen Nordkorea, die USA, China, Südkorea, Japan und Russland teil. (tso/dpa)

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