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PEN-Zentrum : Israels Botschafter fordert redliche Debatte über Günter Grass

Darf Günter Grass Ehrenpräsident der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum bleiben? Israels Botschafter fordert eine "intellektuell redliche Diskussion“. Charlotte Knobloch spricht von einem „israelfeindlichen Mainstream“ in Deutschland.

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Der Schriftsteller Günter Grass steht seit seinem Israel-kritischen Gedicht "Was gesagt werden muss" in der Kritik.
Der Schriftsteller Günter Grass steht seit seinem Israel-kritischen Gedicht "Was gesagt werden muss" in der Kritik.

Israels Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, hat an das deutsche PEN-Zentrum appelliert, „intellektuell redlich“ über die Frage zu diskutieren, ob der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Günter Grass Ehrenpräsident der Schriftstellervereinigung bleiben darf. „Ich erwarte von einer solchen literarischen Vereinigung – und auch von anderen kulturellen Institutionen – ein gewisses Maß an intellektueller Redlichkeit“, sagte Hadas-Handelsman am Donnerstag im Gespräch mit Tagesspiegel-Online. „Wer behauptet, Israel dürfe nicht kritisiert werden, hat Unrecht. Auch sonst muss man kein Nobelpreisträger sein, um zu begreifen, dass das von Günter Grass Gesagte nichts mit der Realität zu tun hat.“

Die Mitglieder des deutschen PEN-Zentrums tagen ab diesem Donnerstagabend bis zum Sonntag in Rudolstadt in Thüringen. Voraussichtlich am Freitag werden sie sich mit dem Antrag befassen, Günter Grass die Ehrenpräsidentschaft wegen seines umstrittenen Gedichts „Was gesagt werden muss“ abzuerkennen. PEN-Präsident Johano Strasser hatte sich im Vorfeld entschieden gegen einen solchen Schritt gewandt. „Ich bin hundertprozentig sicher, dass dieser Antrag mit großer Mehrheit abgelehnt wird“, so Strasser.

Nach Ansicht der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, herrscht in Deutschland ein „israelfeindlicher Mainstream“. Die als „Gedicht getarnte Hetzschrift“ von Günter Grass sei in weiten Teilen der Bevölkerung „auf fruchtbaren Boden gefallen“, sagte sie ebenfalls am Donnerstag in einer Gedenkstunde des Thüringer Landtags zum 70. Jahrestag der Deportation Thüringer Juden.

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