Politik : Pentagon schweigt zur BND-Affäre

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Washington - Die Frage des Ausmaßes deutscher Geheimdiensthilfe im Irakkrieg muss der Untersuchungsausschuss des Bundestags weiter ohne US-Hilfe klären. Die Studie über den Irakkrieg, die das Pentagon am Freitag veröffentlichte, enthält keine Angaben über Deutschland. Die „New York Times“ hatte vor einem Monat unter Berufung auf eine vertrauliche Version genau dieser Studie berichtet, der BND habe den USA Saddams Verteidigungsplan für Bagdad geliefert. Die Bundesregierung bestreitet das, gestand aber ein, dass BND-Mitarbeiter in Bagdad den USA Informationen für ihre Luftangriffe gegeben hatten. Auch darüber schweigt der 210 Buchseiten umfassende Bericht. Er enthält nur die für die Veröffentlichung freigegebenen Passagen der viel umfangreicheren internen Studie.

Auf die Frage des Tagesspiegels, ob die vertrauliche Version der Studie Angaben über deutsche Hilfe mache, sagte Brigadegeneral Anthony Cucolo: „Dazu darf ich keinen Kommentar abgeben. Das verbietet mein Diensteid.“ Dagegen enthält die öffentliche Version der Studie brisante Vorwürfe gegen Russland. Der russische Botschafter in Bagdad habe dem Saddam-Regime Moskaus Erkenntnisse über US-Truppenbewegungen geliefert. Cucolo erklärte diese Kriegshilfe mit Russlands ökonomischen Interessen im Irak.

Ziel der Studie ist es, die irakische Sicht der Entwicklung zum Krieg, der Kampfvorbereitungen und des Verlaufs zu analysieren, um daraus Lehren für künftige Konflikte zu ziehen. Sie basiert auf Interviews mit Vertretern der irakischen Armee und der politischen Führung sowie mehr als einer halben Million irakischer Dokumente. Cucolo sagte, er sei überrascht gewesen über das Ausmaß der irakischen „Fehlwahrnehmungen“. Eine so umfassende Studie über die Sicht des Gegners hatten die USA bisher nur nach dem Zweiten Weltkrieg erstellt.cvm

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