Politik : „Persönliche Schieflage“

Seine Anwälte glauben: Max Strauß ist nicht verhandlungsfähig

Mirko Weber[München]

Gesund sah er wahrlich nicht aus, als Max Strauß das letzte Mal in der bayerischen Öffentlichkeit zu sehen war. Er wirkte älter, als es seine mittlerweile 44 Lebensjahre vermuten lassen, war aufgeregt, blass, fahrig, schien aber gleichzeitig teilweise regelrecht abwesend und wiederholte am Ende mantrahaft immer wieder nur einen einzigen Satz: „Ich schließe mich den Ausführungen meines Anwaltes an.“ Die Szene begab sich, als Max Strauß im März dieses Jahres dem so genannten Schreiber-Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtages im Münchner Maximilianeum Rede und Antwort stehen sollte. Sein Anwalt Wolfgang Dingfelder begründete, warum sich Max Strauß dazu nicht in der Lage sehe.

Sage Strauß hier aus, so Dingfelder, belaste er sich womöglich selber, da in Augsburg ein Ermittlungsverfahren gegen ihn laufe. Nicht nur die im Ausschuss federführende SPD bedauerte die Verweigerung von Max Strauß, sondern auch die CSU, der zu diesem Zeitpunkt – ein halbes Jahr vor den Landtagswahlen – absolut nicht daran gelegen sein konnte, dass ein Schatten auf die Lichtgestalt Edmund Stoiber fallen würde, der ebenfalls seine Sicht der Dinge zu Protokoll geben musste und sich an viele Details in punkto Schreiber und Franz Josef Strauß nicht recht erinnern konnte.

Die CSU als Partei jedenfalls distanzierte sich im Laufe der Anhörungen deutlich von Strauß junior, dem vorgeworfen wurde, er habe Vergütungen vom mittlerweile in Kanada lebenden Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber in Höhe von 2,6 Millionen Euro erhalten. Dieses Geld, das wahrscheinlich aus dem Erlös von Geschäften mit dem Airbus-Konzern und aus Panzergeschäften mit Saudi-Arabien stammt, sei auf ein Schweizer Konto unter dem Namen „Maxwell“ geflossen. Da Strauß sich dazu nicht äußern wollte, war die Öffentlichkeit bisher auf die oft sphinxhaften Sätze von Karlheinz Schreiber angewiesen, der die Verfahren von Kanada aus häufig als Interpret und Kommentator verfolgt hat. Schreiber sagte noch im Frühjahr, dass Max Strauß von ihm „niemals 5,2 Millionen Mark“ bekommen habe. Das alles sei „ausgemachter Blödsinn“.

Nachdem der Untersuchungsausschuss in Bayern und auch der des Bundestages ihre Arbeit abgeschlossen hatten, spielte die Causa Max Strauß eine Zeit lang nur noch auf der Bühne eine Rolle, wenn die Biermösl Blosn sich im Münchner Residenztheater satirisch über die ominöse Festplatte aus Max Strauß’ Computer bitter lustig machten, die von der Staatsanwaltschaft zuerst konfisziert worden war, um dann zuerst zu verschwinden und endlich wieder – professionell überschrieben – aufzutauchen. In der Nummer reimte sich das Wort „Witz“ auf „bayerische Justiz“.

Nach der jüngsten Lage der Dinge muss das Augsburger Landgericht nun wohl auch den lange vorbereiteten Prozess gegen Max Strauß zumindest verschieben, denn sowohl die Geschwister von Max Strauß, die jüngeren Franz Georg und Monika, als auch der Anwalt Dingfelder haben in den letzten Tagen immer wieder durchblicken lassen, dass ihr Bruder und Mandant im Grunde genommen verhandlungsunfähig sei. Strauß-Anwalt Dingfelder hat ein psychiatrisches Gutachten beantragt. Das Anwaltsbüro formuliert, es gebe „konkrete Anhaltspunkte, dass Herr Strauß spätestens ab 1996 in seiner persönlichen Struktur in Schieflage gekommen sein könnte“. Fest steht, dass seine Familie, die sich selber als feste Burg definiert, alles tun wird, um Max Strauß zu verteidigen, möglichst ohne eine Verhandlung. Monika Hohlmeier, Bayerns Kultusministerin, spricht in ihrer Eigenschaft als Schwester von „Rufschädigung“, der ihr Bruder in der Öffentlichkeit ausgesetzt sei.

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