Personalbedarf : Pflegekraft statt arbeitslos

Um den kommenden Personalbedarf decken zu können, setzt die Politik auf Umschulung. Mehr Aufstiegschancen und weniger Bürokratie sollen zusätzlich helfen.

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Problemfall Pflege. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, die der Pflegekräfte nicht. Foto: imagebroker/vario images
Problemfall Pflege. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, die der Pflegekräfte nicht. Foto: imagebroker/vario imagesFoto: vario-images

Berlin - Angesichts des Fachkräftemangels in der Pflege setzt Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) weiter auch auf den Einsatz umgeschulter Arbeitsloser. Mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) habe er bereits darüber gesprochen, wie ein entsprechendes auslaufendes Programm weitergeführt werden könne, sagte Rösler nach einem Spitzentreffen am Dienstag in Berlin. Änderungen bei der Ausbildung, mehr Aufstiegschancen und weniger Bürokratie sollen zudem helfen, dass sich mehr junge Leute für einen Pflegeberuf entscheiden.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts werden in 15 Jahren etwa 152 000 Beschäftigte in Pflegeberufen fehlen. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste rechnet sogar mit einem Bedarf von rund 380 000 Pflegekräften bis 2020, davon 250 000 in der Altenpflege.

Um den akuten Personalmangel in der Pflegebranche zu beheben, soll nun auch weiter – zumindest teilweise aus Steuergeldern – die Umschulung von Arbeitslosen zu Pflegekräften finanziert werden. In den Jahren 2009 und 2010 hatte die Bundesagentur für Arbeit (BA) im Rahmen des Konjunkturprogramms so rund 10 000 Fachkräfte ausgebildet. Noch im Januar wollen Rösler, Leyen und die Pflege-Arbeitgeber darüber beraten, wie dieses Programm im nächsten Jahr weitergeführt und finanziert werden kann. Nach Angaben der BA gab es Ende November etwa 15 000 arbeitslose Altenpflegehelfer und 11 000 Hilfskräfte in der Altenpflege, diese könnten zum Teil für eine Umschulung infrage kommen.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen sieht aber auch die Arbeitgeber in der Pflegebranche in der Pflicht, für mehr Aus- und Weiterbildung zu sorgen. „Wir haben 12 000 Ausbildungsplätze pro Jahr, das ist zu wenig“, sagte die CDU-Politikerin. Außerdem müssten die Arbeitgeber mehr familienfreundliche Arbeitsplätze anbieten, forderte die Ministerin. Der Pflegeberuf in Deutschland wird von Frauen dominiert: Mehr als 80 Prozent der Beschäftigten sind weiblich, die – vor allem in Westdeutschland – häufig in Teilzeit als Altenpflegerin oder Krankenschwester arbeiten.

Die Deutsche Hospiz-Stiftung macht auch die Pflegeverbände und -einrichtungen für den Fachkräftemangel verantwortlich. „Es waren die Organisationen selbst, die die Pflegekräfte eingespart haben“, sagte der geschäftsführende Vorstand Eugen Brysch. In den vergangenen zehn Jahren seien 70 000 Stellen in der Pflege weggefallen. „Wenn aber die Pflegekraft nur noch von einem Patienten zum anderen hetzt, ein paar Minuten für das Waschen, ein paar Minuten für das Füttern, ein paar Minuten für das Kämmen – dann geht das an den Bedürfnissen aller vorbei“, sagte Brysch.

Ohne Zuwanderung wird die Pflegebranche jedoch auf Dauer nicht auskommen, erwarten Rösler und Leyen. Bei der Koalitionsrunde am Donnerstag wollen sie sich daher dafür einsetzen, dass auch Pflegekräfte leichter Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt bekommen. mit dpa

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