Personaldebatte bei den Linken : Holter warnt vor Wagenknecht als Chefin der Linksfraktion

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Helmut Holter, hat davor gewarnt, Sahra Wagenknecht als Ko-Chefin von Gregor Gysi an die Spitze der Linken im Bundestag zu wählen.

Sahra Wagenknecht
Sahra WagenknechtFoto: dapd

"Das wäre ein verheerendes Signal", sagt Holter dem Tagesspiegel. Es würde zeigen, dass sich "die Partei nicht von kommunistischen Überzeugungen gelöst hätte". Für Holter käme der Aufstieg von Wagenknecht dem Fehlverhalten seiner Parteifreundin Marianne Linke aus Mecklenburg-Vorpommern gleich. Sie gehörte zu denen, die sich beim Landesparteitag am 13. August zum Gedenken an die Maueropfer nicht erhoben hatten. Holter erklärte: Die Wahl Wagenknechts käme "dem Sitzen-Bleiben von Marianne Linke beim Gedenken für die Mauertoten gleich, das die Linkspartei als Partei der Ewiggestrigen erschienen ließ".

Der Thüringer Linken-Fraktionschef Bodo Ramelow hatte sich für eine Doppelspitze aus Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch ausgesprochen. „Für mich wäre das eine überzeugende Kombination von visionärer Kraft und Pragmatismus“, sagte Ramelow der Zeitschrift „Super Illu“. Parteivize Katja Kipping und andere schlagen laut „Spiegel“ hingegen die Abgeordnete Cornelia Möhring aus Schleswig-Holstein vor.

Die Linke will sich nach einer Reihe von Wahlniederlagen personell neu aufstellen. Ende Oktober solle auf dem Programmparteitag in Erfurt eine Mitgliederbefragung auf den Weg gebracht werden, berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. In einer Urwahl solle die Basis über Kandidaten für die Parteispitze entscheiden, um das Führungsduo Gesine Lötzsch und Klaus Ernst abzulösen. Lötzsch wollte sich am Sonntag auf Anfrage der dpa nicht zu Personalfragen äußern.

Die stellvertretende Parteichefin Wagenknecht ist auch als gleichberechtigte Fraktionsvorsitzende neben Gregor Gysi im Gespräch.

Die Linke hat die Wahl ihrer neuen Fraktionsspitze vom 25. Oktober auf den 8. November verschoben, um den Erfurter Programmparteitag nicht zu belasten. Die Neuwahl der Parteispitze steht auf einem Parteitag im Juni 2012 an.
In der Debatte um die Fraktions-Doppelspitze machen jetzt führende Frauen der Partei Druck auf Gysi. In einem Schreiben an die Bundestagsfraktion fordern bereits mehr als 50 Unterzeichnerinnen eine Co-Vorsitzende neben Gysi. „Wir wollen, dass eine starke Frau an die Spitze der Fraktion kommt“, sagte die Initiatorin des Schreibens, Ida Schillen, am Sonntag auf der Bundesfrauenkonferenz der Linken in Magdeburg. Dort lagen Unterschriftenlisten für den Appell aus.

Linken-Chefin Lötzsch hofft beim Bundesparteitag in Erfurt auf eine klare Mehrheit für das Parteiprogramm. Dies habe die Partei dringend nötig - „weil die Menschen natürlich Fragen haben und von uns überzeugende Antworten auf die Fragen der Zeit erwarten“, sagte Lötzsch in Magdeburg. Die Linke in Sachsen-Anhalt stellte sich am Samstag grundsätzlich hinter den Entwurf. Die habe Signalwirkung für Erfurt, sagte Lötzsch der dpa. (Tsp/dpa)

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